Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
36 (1887)
Issue
Heft 3
Article
Die Bedeutung der Priesterschaft für die Gesetzgebung während des zweiten Tempelbestandes
Date
1887-01-01
Page
Seite 113 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829626-2829630-2876662--24041-2876688
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

während der zweiten Tempelzerstörnng. 113 Speisen von Theruma aufbewahrt. ES geht also daraus hervor, daß diese befremdliche Verordnung lediglich mit Bezug ans Ahroniden erlassen worden sein kann. Dieses Moment bildet einen Rückschluß auf den Znstand des Wissens in der Zeit, in welcher sie angeordnet wurde. Sie hat nämlich zur Voraussetzung, daß meistens nur Priester im Besitze hagiographischer Schriften seien, und um diese Literatur in Händen von minder skrupulösen Ahroniden vor Profanirung zu schützen, wurde lepitische Verunreinigung über die Berührung derselben verhängt. Erstaunlich ist es nicht, daß der Besitz von Büchern, welche später als kanonisch anerkannt wurden, und die Kenntniß ihres Inhalts unter Laien wenig verbreitet waren. Gab es doch selbst fungirende Hohepriester, welche nicht im Stande waren, aus diesen Büchern zu lesen. Kurz vor der Tempelzerstörung pflegte in der Nacht des Versöhnungstages, in welcher der Hohepriester durch Lesen oder Vorlesen wach er« halten werden sollte, ein, wie es scheint, dazu Desiginirter vor» zulesen 1), weil die Hohenpriester nicht selbst zu lesen im Stande waren. Wenn demnach manche unter den höchsten Würden» trägern des Tempels unkundig in den heiligen Schriften waren, um wie viel mehr die Laienwelt. . Die Zeit, in welcher diese Verordnung von der Verunreinigung durch Berührung heiliger Bücher erlassen wurde, ist so Ziemlich bestimmt. Eine Tradition in zwei Quellen führt sie auf ') Joma I, G: אם מיל (כהן גחל) לקרות קירא .ואם לאן קורי ן לפניו. . . וכריה בן קסטל אומר פעמים־הרבה קריתי לפניו בדניאל. Da nun in den letzten Jahrzehnden von der Tempelzerstörung die Hohepriester.kaum zwei Jahre hnteceinander fungirten, sondern immer nengcwählten weichen mußten, so muß dieser Zacha.ria mindestens vor zwei Hohenpriestern vorgelesen haben. Diese waren also in der heiligen Schrift unkundig. Der Vorleser Zacharia war Priester. Graetz, Monatsschrift XXXVI 3. 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.