Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 540 (sequence 20)
- Language
- German
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540 Der historische Hintergrund und die Absaffungszeit des BuchcS kabäerbuches liegt mindestens ein Jahrhundert. Das ,Buch Daniel hat demnach eher als Esther Beachtung gefunden. Das Letztere und mit ih.n das Pnrim.Fest als Erinnerungsseier sind wohl erst im letzten Jahrhundert v. Ehr. zu Ansehen gelangt und zwar entweder wahrend der Regierung der Königin Salome-Alexandra (79—70) zur Heit der Reaktion \ gegen das Sadducäerthum oder noch später, als der Monat A d a t in Folge der eingesührten allgemeinen Spenden für den Tempel eine besondere Wichtigkeit erlangt hat. Officiell wird das Purim-Fest erst in der Aufzeichnung der Gedenk, tage (Megillat Ta'anit) aufgeführt. Am 13. Adar Nikanorkag am 14. und 15. Adar die Purim-Tage, an denen keine öffentliche Trauer veranstaltet werden dürfe. Diese Aufzeichnung datirt etwa aus dem Jahr 65 n. Ehr. In derselben Zeit ist auch der Kanon der Hagiographen abgeschlossen worden, in welchem auch das Buch Esther seinen Platz fand; nur der Prediger und das Hohelied wurden damals von einer Partei aus dem Kanon ausgeschlossen (s. Graetz, Salomonischer Prediger S. 152 sg.). Mit der Annahme, daß das Buch Esther eine unhistorische Tendenzschrist und erst zur Makkabäcrzeit entstanden ist und diese! Passicnsgrschichle ufUllht, gewinnt auch der ethische und üsthetische Werth dieser Composition. Es negirt dürchäuS nicht de» religiösen Chaiakter der Zeit, obwohl das religiöse Moment geflissentlich ferngehalten wird. Der Vers, wollte mit diesem Verflkckenspieleii einen Effekt Hervorbringen. Man ist also nicht berechtigt, die Zeit oder das Büch religionslos oder atheokratisch zu nenne». Roch weniger gerechtfertigt ist die Folgerung mancher Ausleger, daß die Judäer so außerordentlich rachsüchtig gewesen wären, indem sie so viele Tausende ihrer Feinde todtgeschlagen haben. Wer wird aus einer Fiktion Schlüffe für die Existenz von Lebensgewohuheiten ziehen? Nach der ästhetischen