Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 18)
- Language
- German
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588 Der historische Hintergrund und die Absassungszeit des Buches Genau genommen, find die vorhandenen zwei griechischen Pa׳§ raphrasen ebenfalls Tendenzschristen, berechnet für die alexan. drinischen Juden. Indem der Vers, der Nachschrift so unge-> wöhnlich pröcisirt: wer das Buch eingeführt und wer es über׳! setzt hat, wollte er ihm damit das Siegel der Wahrheit! aufdrücken. Und das ist eben Tendenz. Denn die Angabe,, daß Dositheos,der zugleich Priester undLevitc (PSundל1י)I gewesen sei, verräth ohne Weiteres eine geflissentliche Täuschung,! die nur bei den, mit palästinensischen Verhältnissen unbekannten ( alexandrinischen Juden Glauben finden konnte. Eben so wenig * konnte ein Lysimachos in Jerusalem eine griechische Ueberetzung oder Para phrase angelegt haben. In Jerusalem verstand man immer blutwenig Griechisch, 'um es schriftstellerisch anwenden zu können, und dem Historiker Flavins Josephus ist eS zwei Jahrhunderte später nicht leicht geworden, griechisch zu schreiben. Daher würde es wenig nützen, j wenn man statt iv ‘IsgovcaXtju emendiren wollte ix, Denn ein in Jerusalem Geborener brauchte lange, lange Zeit, ehe er sich der griechischen Sprache bedienen konnte. Der jüngere Sirach sagt selbst, daß er erst nach längerem Aufenthalte in Aegypten die hebräischen Sprüche seines Großvaters übersetzt hat. Und dabei mögen ihm noch alexandrinische Juden geholfen haben. Dazu kommt noch endlich, daß im 4. Jahre des Ptolemäns Philometor der Pentateuch noch nicht einmal griechisch übersetzt war, sondern erst etwa drei Jahrzehnte später (vgl. Ersetz, Geschichte der Juden B. Ul 2 S. 428 sg.). Kurz, die Nachricht im apokryphischen Esther ist eben so apokryph, wie die ganze Schrift und beweist am allerwenigstendas höhere Alter des Urtextes. Das aus der ganzen Anlage des Buches Esther durchbliä« ende Resultat, daß cs Produkt der gespannten Situation der j M akkabäerepoche ist, kann demnach von keiner Seite angefochten werden. Ein Argument, allerdings ein »rgumrvtum e eilentio,