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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 12 · p. Seite 529

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 12
Article
Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
Date
1886-01-01
Page
Seite 529 (sequence 9)
Language
German
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Esther und der Ursprung des Purim-Festes. 539 Argument löst sich in Dunst auf, wenn man sie kritisch anhaucht. Was weiß denn eigentlich der Vers. Großes von persischen Zuständen und Sitten? Im Gegentheil geht aus dem Buche her. vor, daß derselbe Persien als Großmacht nur historisch kannte; es verräth nach vielen Seiten hin Unkunde persischer Justitutioneu. Er läßt die persische Monarchie aus 127 Satrapien bestehen, während Herodot, der doch während Artaxerxes' Regierung seine Geschichtsbücher schrieb, nur von 20 S a t r a p i en weiß, in welche DariuS den Ländercomplex eingetheilt hat (III, 89), Denselben geographischen Schnitzer machte auch der Vers, des Buches Daniel (s. oben). — Man kann doch nicht etwa die Ailgabe als persische Sitte hinnehmen, daß die für den König ausgehobenen Jungfrauen je ein ganzes Jahr gesalbt werden mußten, ehe sie zum königlichen Beilager zugelaffen wurden? Dann hätte, wenn recht viele Jungfrauen zu gleicher Zeit auf die Anwartschaft gesetzt waren (2, 8), die Zweite zwei, die Dritte drei Jahre und die Zwanzigste zwanzig Jahre warten muffen, bis sie dein König zugeführt wurden! Wer sieht nicht ein, daß diese ganze Schilderung nichts weiter als eine Fiktion ist? Ksiner der persischen Könige ließ sich so weit herab, die Hauptkönigin aus allen Ständen erst aufzusuchen; sie heiratheten vielmehr nur Töchter der v o r n e h in e n Perser. Ebenso fingirt ist die Sittenschilderung, daß der König jeden! unberufen Eintreteuden durch das Entgegenstrecken des Scepters gewissermaßen Amnestie für das Vergehen ertheilt habe. Es war allerdings am persischen Hofe untersagt, unangemeldet vor dem König zu erscheinen, aber es war Jedermann gestattet, sich anzumelden, dann bedurfte es des entgegengestreckten Scepters nicht. Auch konnte Niemand dazu kommen, unangemeldet einzutreten und auf daS Scepter zu rechnen, denn die Thiir- Hüter (שזמרי הסף) sorgten dafür, daß Niemand zum innersten Gemach des Königs Vordringen konnte. Aus Herodot geht

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