Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 11 · p. Seite 501

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 11
Article
Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
Date
1886-01-01
Page
Seite 501 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829612-2829624-2876484--23836-2876526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Esther und der Ursprung des Purim-KesteS. SOI Bürgerrecht hatten (,Avnoxeis ovrag). Sie niochten daher die mitgeführte Summe nicht zum Opfer verwenden, weil es ihnen gesetzwidrig oder antijüdisch schien (firj XQr!a&a1 ttvaiav, diatö (x y xad-ijxsiv). ^Hier haben wir die deutliche Charak« teristik einer Mittelpartei. Die Theoren waren Hellenisten, waren weltlich gesinnt, oder waren nicht mehr jüdisch.religiös im alten Sinne, standen vielmehr im Gegensatz zu den mvstischen Assidäern. Aber obwohl sie das griechische Wesen angenommen hatten, scheuten sie sich doch, sich am hellenischen Götzencultus zu betheiligen. Nun trat an diese Mittelpartei eine schwere Prüfung heran. Antiochus hatte unter Androhung von Todesstrafe Betheiligung an diesem Cultus befohlen. Sollten sie sich fügen? Aber ihr innerstes Wesen sträubte sich dagegen. Oder sollten sie Widerstand leisten? Zu welchem Nutzen? da doch die Vertilgung sämmtlicher Judäer dekretirt war, und keine Aussicht aus Errettung vor- Händen war? Für diese Partei, die weltlich gesinnten Judäer, die aber noch dem Hauptfundament des Judenthums, dem Abscheu gegen das Götzenthuni, treu geblieben waren, ist das Buch Esther entschieden verfaßt, sie zum Ausharren zu ermuthigen und ihnen eine Aussicht auf Errettung zu eröffnen. Für diese mußte ein anderes Mittel zur Belehrung und Aufrichtung angewendet werden, als für die chassidäischen Mystiker. Wollte der Vers, ihnen die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer günstigen Wendung klar machen, so mußte er es in nüchterner Weise thun, er durfte nicht ein Wunder heranziehen, wofür sie keinen Sinn hatten, cr durfte also nicht die Gottheit interveniren laßen, wie es das Buch Daniel thut. Er mußte ihnen vielmehr zeigen, daß, wie verzweifelt auch die Lage sein mag, ein Umschwung auf ganz natürliche W eise denkbar sei. Und in diesem Lichte stellt das Buch Esther die Parallele

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.