Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 502 (sequence 30)
- Language
- German
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502 Der historische Hintergrund und die AbsassungSzeit de- Buchez dar. Der König selbst» welcher seinem Günstling die Zustim» mung zur Vernichtung des ganzen Geschlechts der Judäer gegeben hat, kann ja durch eine Zufälligkeit dahin gebracht werden, diesen Befehl direkt oder indirekt zu widerrufen. Dadurch könne plötz« lich Glückswechsel eintreten, daß die für den Augenblick dem Tode Geweihten über ihre Feinde triumphiren können. Dahin zielt die ganze Anlage des Buches Esther, es will diese Hoffnung erhalten, um den weltlichen Theil des Volkes vom Abfall zurückzuhalten. Dadurch ist die Hauptschwierigkeit in der Darstellung des Buches Esther, die absichtliche Bermeidnng des Gottesnamens, gehoben. Es lag eben in dem Plane dieses Buches, Gott von der Entknotung der aufeinander folgenden Ereigniffe fern zu halten. Es wollte rein weit, lich zu weltlich Gesinnten sprechen. Hingewiesen wird auf einen Rettungsanker, daß das Geschlecht der Judäer nicht un. tergehen könne, auch auf das weltliche Mittel der Revenüen von Seiten der Judäer wird hingewiesen (o. S. 404). Es sollte damit denen, welche Zutritt zum König AhaSverus, d. h. Antiochus Epiphanes hatten, ein Wink gegeben werden, durch welchen Umstand sie eine Sinnesänderung desselben herbeiführen könnten, etwa wenn der Sturz des Günstlings des AntivchuS herbeiführt werden könnte, der ihn zur Feindseligkeit gegen die Ju. däer gestachelt hat. Diese Rücksichtsnahme auf ein weltliches Mittel wird auch in einem andern Nebenzug angedeutet. ״HamanS Befehl lautete: ״im Namen des Königs sämmtliche Judäer zu tödten und ihr Vermögen an sich zu nehmen" (3,13), ו«ללם לסו d. h. es sollte denen, welche sich dem Geschäften unterzögen, die Judäer todt zu schlagen, gestattet sein, sich deren Eigenthum anzueignen. Dagegen wird auf der andern Seite hervorgehoben, daß, obwohl die Judäer bei dem eingetretenen Umschwünge ihre Gegner umbrachten, sie doch die Hand nicht an