Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 28)
- Language
- German
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500 Der historische Hintergrund und die Absasimigszeit deS Buches Das Buch Esther dagegeu hat einen Kreis von Halb׳ gläubigen oder Ungläubigen im Auge, die kein Wunder erwarteten, auf Mystik nichts gaben, von dem messiani« scheu R eiche, ״daß das Volk der Heiligen für immer herrschen werde", wenig erwarteten. Es wendet sich an Leser, welche einen Blick in das Wellgetriebe gethan und den natürlichen Verlauf der Dinge in der Verkettung der Ereignisse kenne» gelernt haben. Eine Erzählung, welche die glückliche Wendung der gefahrvollen Lage durch Wunder herbeiführte, wäre bei ihnen auf starken Zweifel, wo nicht auf Unglauben gestoßen und hätte die Wirkung verfehlt. Man kann nämlich ohne Weiteres voraussetzen» daß es in der Makkabäerzeit zwischen den Hellenisten, welche verrätherisch in des Feindes Lager ubergegangen waren, zur Schändung der Heiligthümer die Hand geboten haben, und den Assidäern, welche in der biblischen Wunderatmosphäre lebten, daß es zwischen diesen schroff ent» gegengesetzten Parteien eine Mittelpartei gegeben hat, welche gleich weit ab von der Apostasie der Einen und dem Wun» derglauben der Andern war. Die Existenz einer solchen Partei ergiebt sich aus einer kritisch unanfechtbaren Erzählung des 11, Makkabb. (4, 18—19). Der hellenistisch gesinnte Hohepriester Simon-Jasou, welcher Jünglinge und Knaben in Jerusalem in den griechischen Kampfspielen hatte üben lasten, damit die Judäer als Griechen auftreten könnten und des antiochensischen Bürgerrechts würdig befunden werden sollten, schickte zu den olympischen Spielen in TyruS, wobei AntiochuS anwesend gewesen, jüdische Theoren mit einer Geldsumme zu einem Opfer für Herakles» den Patron der olym». pischen Spiele. Dieses war nach der Beurtheilung aller derer, welche nicht mit dem Judenthum gebrochen, hatten, ein Akt des götzendienerischen Cultus. Als solchen sahen es auch die Theoren selbst an, obwohl sie Hellenisten waren und das antiochensische