Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 499 (sequence 27)
- Language
- German
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Esther und der Ursprung des Purim-Festes. 4SS Lage erdrücken zu lassen, und Beide auch sonst Berührungspunkte haben, so sind doch die Mittel, die sie anivenden, um einen Effekt zu erzielen, durchaus verschieden. Das Buch Daniel bewegt sich in einem Medium der Wunder uud Mystik, Träume und Visionen bilden den Vordergrund der Erzählung. Es läßt je« desmal Gott interveniren, wo es gilt die Frommen zu retten. Die Leiden, welche über das ״Volk der Heiligen" Hereinbrechen, werden als nothwendige Durchgangsmomente und Prüfungen dargestellt, um eine Läuterung herbeizuführen und die mes« sianische Zeit zu vollenden. Ganz anders ist das Medium im Buche Esther. Keine Spur von Wunder und Mystik; dis Rettung wird auf die allernatürlichste Weise herbeigeführt, das Eingreifen Gottes in die Begebenheiten wird geflissentlich fecngehalten, der Name Gottes wird nicht einmal genannt. Darin muß, wie angegeben, durchaus Absicht liegen. Die Er« klärung dieser Erscheinung liegt nah. Das Buch Esther wrndetsich an einen ga n z a n de rn L ef erkr ei s als das Buch Daniel. Dieses hatte solche Gläubige im Auge, welche von messianischen Vorstellungen erfüllt waren. Die Schändüng des Heilig thums, die Aufhebung der heiligen Gesetze, der Zwang, sich dem GötzencultuS zu unterwerfen, schnitt diesen Gläubigen und Frommen tief in die Seele, aber sie hegten doch im tiefsten Innern die Ueberzeugung, daß der Gott Israels sein Volk nicht verlassen werde. Nur lechzten sie nach einer Offenbarung (Mi) auch für ihre Zeit, wie in den gnaden« reichen Vorzeiten, und verlangten zu wissen, warum denn nur Prüfungen über das Volk der.Heiligen verhängt sind, und wie lange sie dauern werden. Mit einem Worte» das Buch Daniel wendet sich an die סשכיליים Einsi chtig e oder an die Strengfrommen ('וזסירים ’AmSaiot), die auf Wunder gefaßt waren.