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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 11 · p. Seite 485

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 11
Article
Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
Date
1886-01-01
Page
Seite 485 (sequence 13)
Language
German
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Esther und der Ursprung des Purim-FesteS. 485 daß sich das trostlose Unglück der Judüer plötzlich in freudenvolles Glück verwandelt. Damit ist der Schlüssel für das Verständniß der Tendenz und des ganzen Buches gefunden. Der Vers, hatte eine Lage seiner Volksgenossen im Auge, welche der von ihm geschilderten ähnlich oder gleich war, und wollte den in banger Furcht Schwebenden durch ein ge« schichtliches Beispiel Muth und Trost einflößen, sich nicht der Verzweiflung zu überlaffen. Schon einmal, will er sagen, sei über die Judäer von einem mächtigen Könige Vertilgung des ganzen judäischen Geschlechtes verhängt worden — und im Handumdrehen verwandelte sich ihr Kummer in Freude, Trauer in Fröhlichkeit. Also kann sich auch in der trostlosen Gegenwart dieselbe Wendung des Geschickes wiederholen. — Findet man eine solche gefahrvolle Zeit für das ganze Geschlecht der Judäer, so hat man die Gegenwart, auf welche das Buch anspislt, ge« funden. Diese Zeitlage ist leicht zu entdecken. Sie ist durchaus ähnlich der im Buche Daniel durch die fingirten Erzählungen durch» schimmernden Situation. Dort verlangt der König Nebuchadnezar, daß alle Welt den von ihm aufgestellten Bildkoloß anbeten möge, und im Buche Esther befiehlt der König Ahasverus, daß seinem Günstlinge Haman göttliche Ehre erwiesen werde. Dort weigern sich Daniels Genosien, dem Götzenkultus zu huldigen und bringen sich in Todesgefahr, und hier verweigert Mardochäi die Adoration und bringt sich und sein Volk in die größte Gefahr. Wie im Buche Daniel unter der Fiktion des Königs Nebuchadnezar und Darius sich die Zeit des Antiochus Epip h a n e s abspiegelt, ebenso im Buche Esther. Der Vers, des einen, wie des andern Buches wollte seinen Stammgenoffen i n gefahrvoller Lage Trost z»sprechen und in ihnen Hoffnung auf Errettung erwecken. Es ist dieselbe Tendenz in beiden Büchern. Fassen wir die einzel-

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