Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 12)
- Language
- German
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434 Der historische H intergrund und die Abfaffungszeit de» Buches chisch-macedonischen Zeitepoche. Die zu suchend e Grundidee muß endlich der Art sein, daß sie zugleich die auffallenden Erscheinungen im Buche und selbst geringfügige Züge auf eine leichte und einleuchtende Weise zu erklären im Standist. Sie muß gewissermaßen Mittelpunkt bilden, zn dem alle Einzelnheiten der Erzählung wie Radien convsrgiren. Vergegenwärtigen wir uns die Auffälligkeiten in der Erzäh« lung, so wird das Finden der Tendenz und dadurch auch der Abfaffungszeit außerordentlich erleichtert werden. Gerade solche nicht zur Sachs gehörenden Züge offenbaren uns die Grundgedanken des Verfaflers. Er legt den weisen Freunden Hamans ein gewichtiges Wort in den Mund, welches den Sturz desselben vorausahnen läßt. ״Wenn Mardocha! vom Geschlechte der Judäer ist, vor dem zu fallen, du eben den Anfang gemacht hast, so wirst Du ihm nicht beikommen können, sondern vollständig vor ihm fallen" (6,13 כי נפול הפול לפניו). Dieser Gedanke will offenbar eine feste Zuversicht ausdrücken, daß das Geschlecht der Judäer nicht untergehen könne. Wenn auch von Gefahren umringt, so wie sich ihm ein lichter Blick zeigt, so ist dieser ein Vorzeichen für das ihm wieder zulächslnde Glück. Dieselbe Zuversicht legt der Verf. auch Mardocha! in den Mund (4, 14): ״Befreiung und Errettung wird den Judäern erstehen durch irgend eine andere Veran laffung," wenn Esther auch Bedenken tragen sollte, mit arq siegreichen Gewalt ihrer Schönheit für sie zu interveniren. Gerade weil die Erzählung nicht geschichtlich ist, sind wir berechtigt, auf solche Aeußerungen Gewicht zu legen. Diesen Gedanke oder diese Zuversicht, daß das Geschlecht der Judäer nicht untergehen könne» und daß es bei noch so naher Gefahr nnerwartet auf Hilfe und Errettung hoffen dürfe, ist man berechtigt als Grundidee und Mittelpunkt des Buches Esther anzusehen, da die erzählten Begebenheiten sich der Art zuspitzen.