Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829624-2876484--23816-2876506- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Esther und der Ursprung des Purim-Festes. 481 für den Esterich (רצפה) verwendet worden sein? סחרוז soll Schildträte, Schildpatt sein — völlig ohne Analogie; denn סחרה bedeutet ״Schild." LXX übersetzt diese Wörter xv xlq> §6da nemtGjiiva. Sie hat demnach סחרת als ״ringsherum" aufgefaßt, und anstatt hat sie ירד gelesen, das hebraisirte und chaldäisirte griechische Wort $ 0 J 0 1׳. Faßt man alle diese Elemente zusammen, so liefern sie die Gewißheit, daß der Vers, in der griechisch-macedonischen Zeit gelebt hat, indem er Zustände dieser Zeit voraussetzt und sich mit der griechischen Sprache vertraut zeigt. Das volle Eindringen des griechischen Wesens in die Poren des judäischen Volksthums geschah erst in den letzten Decennien des dritten Jahrhunderts v. Ehr., wie ich anderweitig nachgewiesen (Hohes Lied, S. 84) mit der, von dem Steuerpächter Joseph, dem Tobladen, erlangten Machtbefugniß und seinem häufigen Verkehr mit dem alexandrinischen Hofe. Es würde daraus resultiren, daß das Buch Esther nicht vor dieser Zeitepoche entstanden sein kann. Der Zeitpunkt dürfte sich aber noch näher präcisiren lassen, wenn der Zweck und die Tendenz des Buches erschlossen sein wird. Kaum braucht nach der oben angeführten Auseinandersetzung weiter bewiesen zu werden, daß das Buch Esther thatsächlich eine Tendenz hat. Jedes biblische Buch, ohne Ausnahme, hat eine belehrende und ermahnende Tendenz, selbst die historischen Prophetenbücher. Auch sie sind darauf angelegt, auf ihre Zeit» genossen zu wirken, und deuten Tagesfragen an. Der Verlauf der israelitischen Geschichte ist in denselben so dargestellt, daß das lebende Geschlecht sich die Vorgänge in der Vergangenheit für das Verhalten in der Gegenwart zu Nutze machen möge. Und gar erst die meisten Hagivgraphen! Es sind lauter Tendenzschriste», Hiob, die Sprüche, Daniel, Chronik sammt Esra- Nehemia, Kohälet und Hoheslied mit eingeschlosien. Innerhalb