Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der historische Hintergrund und die Abfassungszeit des Buches Esther und der Ursprung des Purim-Festes
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829623-2876427--23758-2876437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Esther und der Ursprung des Purim-Feste?. 427 lemäuS Philadelphus 'von den zwölf Stämmen zehn bereits verschollen waren. Gegenwärtig giebt Jedermann die poetische Fiktion des Buches Job zu, obwohl darin nicht wenig Eigennamen genannt werden. Wunderlich ist es» sich für die Bezeugnng der Historicität auf das zweite Makkabäerbuch zu berufen, obwohl sich dabei von selbst die Parallele des ersten Makkabäerbuches aufdrängt, welche gerade das Entgegengesetzte beweist. Die Unzuverlässigkeit des Beweises vom Bestände des Purim» Festes soll später auseinandergesetzt werden. Nicht weniger haltbar ist die Annahme derer, welche wenigstens vom Inhalte des Buches Esther einen historischen׳ Kern retten möchten, daß nämlich irgendwo, etwa in Susa, und irgendeinmal, in der exilischen oder nachexilischen Zeit, über dem Haupte eines Theils der Judäer eine Gefahr j geschwebt habe, auf welche dann die Errettung aus derselben gefolgt sei; alles Uebrige sei die poetische Ausschmückung eines späterst Bearbeiters. Allein vom Theile gilt dasselbe, wie vom! Ganzen. War das Ereigniß bedeutend genug» um in Erinnerung zu bleiben und einen epischen Künstler zu intressiren, so hätten es die Tagebücher von Esra oder Nehemia aufzeichnen müssen i Und haben diese es rächt der Mühe werth gehalten, davon zu i sprechen, so muß das Ereigniß gleich null gewesen fein. Die { Darstellung nimmt sich jedenfalls wie ein p oe t is ch g e g l ied e r t e s K u n st w e r k aus und!licht als das Aggregat eines allmälig angewachsenen Sagengebildes. Man kann also auch nicht davon behaupten, daß so winzig auch im Anfang der historische Krystallisationspunkt gewesen sein!nag, die Sage ihm allmälig eine größere Bedeutung gegeben habe. Hatte der Verfasser kirnstlerisches Gestaltungsvermögen genug, zu einem gewissen Zwecke ein Gegebenes in ein abgerundetes Epos zu formen, so konnte er auch das Hauptfactum erfunden haben. Für die Ausrechterjj Haltung eines historischen KernS kann das Purim-Fest eben so ן wenig als Zeugniß angeführt werden, wie für die des Ganzen 28-