Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Die Herrschaft des Christenthums durch Constantins Bekehrung
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 4)
- Language
- German
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Die Herrschaft des Christenthums durch Constantin- Bekehrung. 419 Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber, welcher Religion sie auch angehören, sind darin einig zu erzählen, daß er keine Ceremsnie vernachlässigt habe, um die Götter für sich günstig zu stimmen. Nachdem er alle Wahrsager befragt und die Orakel der Sibylle zu Rathe gezogen, Halle er zu abscheulichen Prakti» ken Zuflucht genommen. Man sagt, er habe junge Kinder tobten und schwangere Frauen aufschlitzen lassen, um die Zukunft zu erforschen und sich die Unterstützung der Höllengötter zu sichern. Daß diese Gerüchte Constantin aufgeregt haben, darf uns nicht überraschen. Es gab damals keinen, der nicht dadurch beunruhigt gewesen wäre wie er. Da dachte er, daß auch er sich göttlichen Schutz verschaffen müßte. Aber an wen sollte er sich wenden, um die Wirkung der von seinem Feinde angewandten Zaubereien zu beschwören? Die landläufigen Götter mußten ihm verdächtig Vorkommen. Hatte ec nicht zu befürchten, daß Maxeutius, der so viel Gebete an sie gerichtet und ihnen so viel Versprechungen gemacht hatte, sie zu seinen Gunsten entschieden hatten? Die Haruspicen, die Constantin vor seinem Zuge von Gallien in den Krieg befragt hatten, hatten ihm davon abgerathen; contra 11aruspicum responsa hat er ihn unternommen. So ist es verstündlich, daß-er, da er die Götter nicht auf seiner Seite hatte, daran denken mußte, anderweitig Hilfe zu suchen. Darin war er dem Geiste und den Traditionen des Heidenthums treu geblieben; wie oft sah man nicht in bedrohlichen Umständen, wenn die Götter, die man anzurufen pflegte, aufgebracht oder unmächtig schienen, daß die hülfesuchenden Frommen neue Götter ausgesucht hatten, welche den Vorzug vor den Andern hatten, daß der Glaube an sie noch intakt war, und daß sie noch Niemandem getäuscht hatten, da sie auch nicht angerufeu worden waren? So haben alle Culte Eingang in :.Rom gefunden. Constantin, indem er eine Stütze außerhalb der officiellen Religion suchte, folgte nur dem Beispiel der ersten