Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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362 Zeitschrift für dN Geschichte dek Juden in Deutschland׳ genden selbst zu; aber ״besonders häufig sind deutsche Frauennamen". Herr H. kann sich jedoch aus irgend einem beliebige» alt jüdischen Namensregister überzeugen, daß jüdische Frauen auch?in der Zeit völliger Erniedrigung fremdsprachliche Namen geführt hüben, also das ist ganz irrelevant. Auch von dem urkundlichen Beweis einerMischehe (S. 7h), den Herr Höniger anführt, konnte Referent nichts entdecken, axor ejus Sophia filiaVivi Judaei braucht noch keine Jüdin zu fein. Judäus selbst ist unserer Ansicht nach vielfach nichts anderes als cognomine Judaeus, ein Christ, der in der Stadt wegen seine Herkunft Judäus genannt wird. Heinrich IV. spricht in dem Handels-Privileg, welches er der Stadt Worms ertheilte, von Judaei et eeteri Wormatienses. 89. ist dies unserem Autor ein Zeichen der hervorragenden Antheilnahme der Juden am Handel; sonst kann er sich die Voranstellung von Judaei nicht erklären. S. 93 benützt er die Stelle wieder für seine Behauptung, daß die Juden bürgerlich gleichgestellt waren. Vielleicht erklärt sich die Voranalstellung der Juden am einfachsten׳׳ dadurch, daß die Juden schon damals, als die unmittelbaren Unterthänen des Kaisers galten. — Der Autor ventilirt auch die Frage, woher die Unterdrückung der Juden imspätern Mittelalter gekommmen sei; er stellt dabei nach dem Vorgänge Roschers wirthschaftliche Momente allzu sehr in den Vordergrund und unterschätzt den Einfluß der Kirche. Es ist wahr, was Roscher sagt: daß die Päbste selbst bei Juden- Verfolgungen weit mehr gezügelt als gespornt haben. Aber auf den Konzilen ist von jeher gegen die Juden gewühlt und gewüthet worden, und diese böse Aussaat trug ihre Früchte. Oft haben die Kirchenfürsten die rohen Ausschreitungen des Pöbels zu verhindern versucht. Aber wenn einer eins Scheuer in Brand steckt, so ist nichts selten gerade dieser beim Werke des Löschens am lautesten. In der ersten rohen Hälfte des Mittelalters hatte