Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitschrift für die Geschichte der Juden tn Deutschland. 359 sohn die höchste Verehrung hegte, hat schon vor einem halben Jahrhundert eine neue Uebersetzung der heiligen Schrift herausgegeben. Mendelsohn war bei seinem Uebesertzungswerke durch mancherlei Rücksichten eingeengt; er 1 hat den Anstoß gegeben» wer es nach ihm besser macht, bleibt ihm zu ewigem Danke ver» pflichtet. Aber das entscheidende Verdienst der Mendelsohn'schen Uebersetzung war ein kulturelles» kein literarisches. Seitdem hat die Bibelforschung außerordentliche Fortschritte gemacht, die deutsche Sprache ist reicher, biegsamer, und sowohl durch Göthe wie durch die Pflege der volksthümlichen Dichtung uaiver geworden; darum ist das Werk Mendelsohns veraltet; es trägt all-;»deutlich das Gewand des achtzehnten Jahrhunderts. In diesem einen Punkte, daß sowohl die Uebersetzung Luthers wie die Mendelsohns kulturhistorische Thaten von eminenter Bedeutung gewesen sind, stimmen sie überein; sonst ist der Vergleich zwecklos. Nichts desto weniger ist die Lectüre des Munecker'schen Aufsatzes eine Erholung nach dem Auerbach'schen Wüsteusande. Erst jetzt im letzten Drittel dieses Heftes kommen wir zu Abhandlungen, deren Autoren nicht auf breitgetretenem Geleise sich bewegen. Höniger bietet einen langem Aufsatz ״zur Ge» schichte der Juden Deutschlands im frühen Mittelalter," der Köl« ner Urkunden zu verwehrten versucht. H. ist auf diesem Gebiete heimisch; aber er liest aus den Urkunden Dinge heraus» die nicht drinnen stehen, jedenfalls nicht so deutlich darin enthal» ten stnd. Ihm ergeben die Kölner Urkunden die Thatsache ״der bürgerlichen Gleichstellung der Juden in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts". Aber gerade für Köl« ist es sehr wenig wahrscheinlich» daß sich nach den Gräueln des ersten Kreuz« zuges, in denen die ganze Gemeinde aufgerieben wurde, sogleich wieder eine größere Gemeinde gebildet haben soll. Die Milde Heinrichs des Vierten konnte die Tobten doch nicht wieder lebendig machen; und in wenigen Jahren sollte sich dort wieder