Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829621--23679-2876344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
858 Zeitschrift für die Geschichte der Juden m Deutschland. Göthe's und Schillers, würde vielleicht heute nicht mehr so ,fleißig gelesen werden, wenn er nicht auf der Krücke der Kritik die Höhen des Parnaß erklommen hätte. Glätte und Korrektheit des Stiles und der Gedanken sind gewiß erstrebenswerte Borzüge, aber sie bringen nicht auf die Nachwelt. Zugegeben Mendelsohn war wohl der trefflichste derer, die sich, ohne selbstständig dich, terisch zu schaffen, damals in Deutschland der schöuwissenschaft׳ Kritik widmeten. Nun wohl, so wäre er der erste unter den Vergeffenen gewesen. Nur durch seine sonstigen Verdienste sind seine Werke so lange über Waffer gehalten worden. Muncker wendet eine unnöthige Sorgfalt auf die Verglei» chung der Luther'schen und Mendelsohn'schen Bibelübersetzung. Das Lob, das er Luther zollt, bedarf einer Einschränkung. Kraft besitzt der Stil Luthers; aber diese Kraft artet oft in Derbheit aus. und wo Zartheit des Ausdrucks erforderlich ist, da läßt er uns vollends im Stich. Der Landsknechlston, der damals die deutsche Prosa beherrschte, und der dem stürmischen, kampffrohen Luther gerade recht war, verroht den biblischen Ausdruck ganz ungebührlich. Es wird stets merkwürdig bleiben, daß! das deutsche Volk, nachdem so viele außerordentliche Geister seiner Sprache Adel, Zartheit, die feinste Fähigkeit sich in der Uebersetzung, auch dem sprödesten fremdsprachlichen Werke anzuschmiegen, verliehen haben, sich noch immer mit der lutherischen Bibel begnügen muß, weil strenggläubige Pastoren auf diesen alterthümlichen Jargon nicht verzichten wollen. Es ist kein Zweifel, daß die Geringschätzung, die die Bibel zuweilen in deutschen Landen erfährt, zurückzuführen ist auf.; diese, oft rüde Uebersetzung des großen Reformators. ״Ber. nunft wird Unsinn, Wohlthat Plagewenn späte Enkel das festhaltey sollen, was vor Jahrhunderten vortrefflich gewesen sein mag. Für uns hat Mendelsohn's Uebersetzung der Bibel keine besondere Autorität. Zunz, der doch gewiß für Mendel-