Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension] / R.
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829621--23675-2876340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
354 Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. erfassen, sondern sie ist, wie sie sich in dem letzten halben Jahrhundert entwickelt hat, eine wesentlich historische, die vielleicht sogar ein wenig gar zu spröde von der Praxis der Religion sich abwendet; und das Hinwirken, daß ״jeder Zwiespalt zwischen Leben und Ueberzeugung aufhöre" ist wol allen Parteien ge׳ meinsam; trotzdem sich noch diesen Sätzen des Herrn Auerbach das Gegentheil vermuthen läßt, so werden wir von der Ansicht nicht lassen, daß auch die religiös Radikalen nach ihrer Ueberzeugung thun und reden. Mit einer gewissen Neugierde sehen wir freilich dem Versuche entgegen, wie die ״Wissenschaft" auf dem Boden des Judenthuws es fertig bringen will z. B. die Lehre vom Sabbat mit den Ansichten und der Praxis des Radikalismus zu vereinigen. Die Wissenschaft sollte unseres Erachtens gar keine andern Tendenzen haben, als die Wahrheit und nicht auf das praktische Leben hinüberschielen, um dort gewisse Wirkungen zu erzielen. Das ist eine Tendenzwisienschaft, und der selige Abr. Geiger stand seinem gelehrten Rufe im Wege, als er sich allzu oft ihr widmete. Wir glauben nicht, daß die neue Zeitschrift, und daß zumal dis christlichen Herren, die sich für sie intsrressiren, «ine derartige Wirkung beabsichtigen. Etwas sonderbar ist es, daß Auerbach die religiöse und sociale Erneuerung des Judenthums auf — Leibnitz zurückführt. ,)Aristoteles hat durch Maimonidesl! auf die jüdische Religions- Philosophie! gewirkt. Und so hat Leibnitz, den man oft! mit ihm verglichen hat (mit wem? mit Maimonides oder mit Aristoteles?) durch Moses Mendelssohn eine ganz neue und höchst folgenreiche Wendung in der äußeren und der inneren Geschichte des Judenthums hervorgerufen". Auf solche Kapricen verfällt Herr Auerbach, da er nun doch einmal etwas Neues und recht Gelehrtes bringen will. Bei unserm Autor darf man die Worte nicht so genau nehmen, sonst könnte man empört sein, über die Behauptung