Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829612-2829620-2876251--23642-2876303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
324 Recenston. lich Spinoza das Facit zieht, indem er zugleich die moderne Naturanschauung mit diesem alten Gedanken zu verknüpfen sucht. Spinoza's Hauptfehler ist, daß er eine starre Scheidewand aufrichtet zwischen dem ordo rerum und dem ordo idearum. Die moderne Philosophie bringt uns der platonischen Anschauung wieder näher, wenn sie von dem Gedanken ausgeht, daß der ordo rerum blos Erscheinung sei. Wnnn nämlich auch den Sinnen immer blos der ordo rerum erscheint, so bleibt der G e ist des /Menschen doch stets in Verbindung mit der noumenalen Welt. Diese Verbindung giebt ihm die Kraft sich von der Sinnenwelt zu befreien durch Unterordnung unter das höhere Gesetz der noumenalen Welt. Viele Verwirrung hat in dieser Frage die Vieldeutigkeit des Wortes idea verursacht. Oft braucht man das Wort als gleichbedeutend etwa mit ״Ding an sich", oft ist es die gewöhnlichste ״Vorstellung". Das Verdienst Herbart's und seiner Schule Lin der vorliegenden Frage und anderwärts liegt darin, daß er die Entwicklung der Vorstellungen aus der Bearbeitung des ordo rerum bis zur Erkenntniß des ordo idearum zu verfolgen strebt. Demgemäß ist auch für Steinthal die Freiheit keine psychologische Thatsache. Der Mensch muß dieselbe sich erst erwerben und sie verwirklichen. Freiheit ist Bestimmbarkeil unserer seelischen und leiblichen Kräfte durch sittliche Motive» durch die ethischen Ideen. Sie erfordert eine Zucht der Vorstellungen. Diese trifft am meisten mit dem zusammen, was wir Bildung nennen. In der Bildung ist das Sittliche neben dem Aesthetischen und Jntellectuellen von großer Bedeutung, (cfr. Lazarus, Lebe« der Seele- I S.10—8■■׳ d. 3. Ausl.). Man . vermißt vielleicht im Steinthal'schen Buche eine stärkere Betonung des Völkerpsychologischen. Am meisten erinnert an Völkerpsychologie, was Steinthal im letzten Abschnitte über den objektiven Geist sagt. Er gedenkt auch dieses Begriffes an hervorragender Stelle, in der Widipung an Kqzarus, welcher hie