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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 7 · p. Seite 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1886-01-01
Page
Seite 322 (sequence 3)
Language
German
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322 Reeenswn. Völkerpsych. XVx. 136 ff'). Die letztere, die Tugend in - den Beziehungen zu den Nebenmenschen, umfaßt nun bei Plato die gesammte Thätigkeit des Menschen als Erfüllung eines bestimmten Berufes. Seine Gerechtigkeits ist die treue Arbeit im Berufe. Für den modernen Philosophen war eine ähnliche einfache Construktion nicht möglich. Es galt für ihn das Verhältniß des Menschen zur Gesellschaft in einigen Abstraktionen, die immer etwas Zufälliges haben, zusammenzufassen. Vor die Idee des Rechts tritt bei Herbart die des Wohlwollens und hinter dieselbe die der Billigkeit. Steinthal hat die Idee des Wohlwollens hauptsächlich zur Tugend des Familienlebens gemacht, nicht daß sie auf dieses beschränkt wäre, wohl aber soll sie in demselben ihren Ursprung haben. Für das Wohlwollen im staatlicheu Leben ist er weniger eingenommen wie Hörbart. Er äußert sich einmal dahin, daß die Idee der Gerechtigkeit hier dem Menschen so viel aufgebe, daß dem Wohlwollen nichts mehr übrig bleibe. Dagegen glaubt wieder Steinthal, daß die Betonung der Liebe (des Wohlwollens) im g e s e l s ch a f t l i ch e n Leben neben der Gerechtigkeit in der modernen Sittlichkeit ein Fortschritt sei, dessen Anfänge wir in der Bibel finden, während man unter den vier Cardinaltugenden der Alten die Liebe vergeblich suche. Eine besondere Bedeutung hat dann bei Steinthal die Idee der ^,Vereinigung", welche ihm eigenthümlich ist. Es ist die Tugend der :; .! v7 v! , , י ') Die platonische <sm(pQ0ffvv1j, ist bie Beherrschung der hulhi/iCa durch" de» X6y0i. Für Plato ist durchaus der der Träger des Guten. Kant führt den an sich guten Willen ein. Indem nun Herbart's erste Idee nach dem Vorbilde der platonischen auxfqoavvrj gedacht ist, konnte man Herbart vorwerfen, daß er gegen sein Princip in der ersten Idee ein harmonisches Verhältniß zwischen zwei ungleichartigen Gliedern, Wille und Hinsicht, annehme. Ich mache auf die Widerlegung dieses Einwurses bei Steinthal p, 101 ss. aufmerksam. Steinthal findet hier durch die moderne Psychologie eine Vermittelung zwischen der Ethik des und der Ethik des guten Willens. ׳

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