Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Abschluß des Kanons des alten Testaments und die Differenz von kanonischen und extrakanonischen Büchern nach Josephus und Talmud
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 9)
- Language
- German
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kanonischen und extrakanonischcn Büchern nach Josephus und Talmud. 289 Josephus kanonische und extrakanonische Bücher. Von den ersten gelten die Bestimmungen, daß sie die Hände verunreinigen (zur Verhütung vor ProsanationVund daß sie am Sabbat bei einem Brande gerettet werden dürfen. Von den Letztern wird bestimmt angegeben, daß sie zwar nicht dis Hände verunreinigen, wohl aber gelesen werden dürfen. Ob auch zu ihrer Rettung Feuer am Sabbat gelöscht werden dürfe, ist nicht angegeben. Indessen läßt es sich aus dem Umstande folgern, daß nur zur Rettung von (hebräisch geschriebenen und mit Schriftv-rsen gefüllten) E v a n g e l i e n und m i n ä i s ch e n Schriften der Sabbat nicht entweiht werden darf, wohl aber zur Rettung extrakanonischer Bücher in hebräischer Sprache. Während Josephus nur das Vorhandensein von extrakano׳ Nischen Büchern andeutet, nennt die talmudische Litteratur zwei solche mit Namen: Die Sprüche S i r a ch und ein anderes Buch unter dem Titel בן לעגה oder תגלה p. Aber außer diesen weist sie noch auf andere extrakanonische Bücher ופל ספרים שנכתבו מכאן ואילך, d. h. solche, welche in der nachprophetischen Zeit verfaßt wurden, was es ganz gewiß bedeutet. Ob darun» ter das erste Makkabäerbnch und andere hebräische Apokryphen zu verstehen sind, ist nicht zu ermitteln. Ganz bestimmt wird aber Sirach als extrakanonisch ange« geben. Warum ist das Buch nicht kanonisch geworden? Weil es von da an d. h. später geschrieben wurde, d h. weil es der n a ch p r o p h e t i s ch en Zeit a n g e h ö r t. Der Talmud restektirt demnach dieselbe Anschauung wie Io« sephus, daß die Prophetie das Kriterium: für die Kanonier tät bildet. Nur in einem geringen Punkte weicht er von Josephus ab. Dieser giebt ganz bestimmt an» daß sämmtliche 22 Bücher der heiligen Schrift v o n P r o p h e t e n versaßt worden seien, und darum seien sie als göttlich zu betrachten. Der Talmud nennt aber als Verfasser mancher biblischer Bücher solche, welche nicht