Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 16)
- Language
- German
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248 Die allerneueste Äibelkritik, Wellhausen-Nena«. schreiben. Es sei denn, daß sie mit diesen Legenden oder Ueber, lieferungen eine sittliche oder religiöse Tendenz verfolgt haben. Und daS ist das punctum saliens. Die geschichtlichen Partien in der Genesis über die Vorzeit haben durchaus keine selbstständige literarische Bedeutung, sondern sollen einem Zwecke dienen. Dieser Zweck kann kein anderer gewesen sein, als gewisse religiös-sittliche Ideen und Institutionen ermahnend oder warnend zu veranschaulichen. Kann man in Abrede stellen, daß die Erzählung von Isaaks beabsichtigter Opferung auf Morija auf das Heiligthum auf dem Berge Morija hinweist? Mag die Geschichte von der Sindfluth einer assyrischen Legende entnommen sein — was noch lange nicht eine feste Thatsache ist — so wird ihr in der Genesis nur ein ethischer Werth beigelegt, das Geschichtliche ist nur Nebensache und ebenso das von der Katastrophe von Sodom und Gomorrha, vom babylonischen Thurmbau. Wer da behauptet, das! die Erzählungen einen selbstständigen Cyclus ausgemacht haben, daß der Vers, der einen Genesis-Urkunde eine pessimistische Anschauung vom Leben gehabt habe, der einer anderen eine optimistische, leidet beinah an Hallucinationen. Er hat sich nicht kkar gemacht, daß diese Urkunden nur aus dem Prophetenkreise hecvorgegangen sein können, und dieser hatte durchweg eine optimistische Lebensbeschauung. Wie gesagt, dieser Kreis, welcher wahrscheinlich nicht von Schriftstellersucht besessen war, hatte diese Urkunden gewiß nicht um ihrer selbst willen schriftlich fixirt, sondern er wollte sie als Einleitung zu einem Codex geben welcher Gesetze enthielt. Mag Wellhausen noch so sehr, sich an die Grundbe» deutung d>:s Werthes Min anklammernd, sich darauf steifen, daß es nicht ein bestimmtes, fixirtes Gesetz involvire, sondern einfach Belehrung, um daraus zu folgern, daß es zur Zeit der älter» Propheten noch kein geschriebenes Gesetz gegeben habe —