Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 15)
- Language
- German
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Pi? Mrneueste Kibslkritik, Wellhausen-Wnan. $4? erst später von der christlichen DogMtik benutzt worden. Die Propaganda des Christenthums durch Paulus und des Islams durch Mohammed ist ja lediglich durch die Engegensetzung des Monotheismus gegen d,gs unzüchtige Götzenthnm und der Sittengesetze gegen die heidnischen Verirrungen erfolgt, d. h. durch die G e setze s th eil e des Pentateuchs. Doch dies nebenher. Ist es denn in der Hauptsache denkbar, daß die ersten Geschichtsschreiber oder Legeudeuschreiber es der Mühe werth gehalten haben, nur die neuen Geschichtchen aus der grauen Vorzeit und weiter nichts aufzutischen? Und kaum hatte Einer aus dem Zehnstämmereich diese Geschichtchen darge« stellt, soll flugs ein anderer aus Juda ihm haben Concurrenz machen wollen, dieselbe Geschichte in anderer Couleur zu verfasten? Es ist bis zur Lächerlichkeit absurd. Man mnß sich doch einen Lesekreis denken, den diese Urkunden aus alter Zeit interessiren sollte. Was für ein Interests sollte es aber für Leser haben, ob die Weltschöpfung so oder so vor sich ge« gangen war, ob die Sindfluth in dieser oder in einer andern Folge stattgefunden hat? Noch mehr! man muß doch wohl bei der Untersuchung über das älteste Schriftthum auf concretem Boden bleiben und sich fragen, aus welchem Kreise es wohl stammen möge. Und darauf kann man nur antworten: die ältesten israelitischen Schriftsteller waren gewiß Prophet e n oder Priester oder die ihnen nahstehenden Kreise. Und diese sollten dem Volke oder den Lesern weiter nichts als alte Legenden geboten haben? Es ist undenkbar; die Propheten, so weit wir sie seit dem ältesten Amos kennen, der seine Worte niedergeschrieben, verfolgten nur das Jntereffe der Sittlichkeit und Gerechtigkeit, und die Priester, wohl auch das des Tempels. Wenn diese schriftstellerisch auf die Besterung des Volkes durch eine Schrift wirken wollten, so wäre es das verkehrteste Mittel gervesen, Legenden aus -er grauen Vorzeit zu