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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 6 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 6
Article
Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
Date
1886-01-01
Page
Seite 244 (sequence 12)
Language
German
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244 Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Rcnan. mißverstanden und eine Trivialität daraus gemacht. Ein Hebraist, welcher eine nicht gar zu dunkele Stelle so verkehrt auslegt, dringt seine Hypothesen um allen Credit. Es ist wahrhast erstaunlich, welche Hypothesen neuerdings wieder über die Entmickeluug des alttestamentlichen Schriftthums zu Tage treten. Renan macht sich zwar lustig über die Pedanterie der deutschen Bibelkritiker und will gewissermaßen einen Theil dieses Schriftthums im Gegensatz zu diesen älter machen, verfällt indeß ebenfalls in vage Behauptungen und zeigt, daß er den Stoff nicht vollkommen beherrscht. In der Revue des deux mondes stellt er die Genesis dieses Schriftthums dar (Märzheft, les origines de la bilde, hisloire et legende). Darin behauptet er. L’idee du Sabbat est originaire de ßabylone. Ell’a du eclore non chez des nomades au travail Intermittent, mais dans une eivilisation bätissante, fondee sur le travail servile. Also die Sabbatruhe ist nicht israelitisch, sondern stammt aus Babylonien. Aber da hätten doch die Israeliten sie erst während des babylonischen Exils kennen gelernt haben können! Und doch spricht der Prophet Amos öfter vom Sabbat mehrere Jahrhunderte vor dem Exils, ebenso Jesaia ein Jahrhundert später,, und Jeremia klagt das Volk der Sabbatentweihung an. Auch abgesehen davon: Welches Volk im Alterthum hatte keine Sklavenhorden, welche die Arbeit für ihre Herren hatten verrichten müssen? Die Aegypter wohl noch mehr als die Babylonier; sie haben noch mehr Bauten aufgeführt. Wenn schon, dann hatten die Israeliten den Sabbat von ihren ägyptischen Zwingherren lernen können. Aber hatten diese auch ein Gesetz oder einen Gesetzgeber, welcher ihnen befohlen hätte, die Sklaven einmal in sieben Tagen ruhen zu lassen? Es ist erheiternd, aber' auch zugleich betrübend, wie mit der Entstehung der pentateuchischen Gesetzgebung herumgesprungen wird. Renan thut sich sehr viel zu Gute auf die Erfindung, daß

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