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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 6 · p. Seite 242

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 6
Article
Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
Date
1886-01-01
Page
Seite 242 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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242 Die allerneüW Äibelkrltik, Welltzaüsen-llieniin. Sichemiten beweisen, daß diese, um zur Verschwägerung mit den Söhnen Jakobs zugeiaffen zu werden, hätten zusagen müssen, sich vor der einzugehenden Ehe zu beschneiden. Allein in dieser Erzählung ist angegeben, sämmtliche Männliche (-»2t כל) hätten sich beschnitten. Hatte denn Jakob so viel Töchter, mit denen sich die Sichemiten sofort hätten verheirathen können, um deßwegen als liebenswürdige Freier sich beschneiden zu lassen? Und mit diesen Argumenten beweist W., daß die Beschneidung der Knaben nur als ein gemildertes Argument für die u rs p r ü n g l i ch e Beschneidung der jungen Männer sei, und darin soll sich ebenfalls die gähnende Kluft zivischen dem Priester« codex unb den altern Bestandtheil des Pentateuchs zeigen! Das ist aber nicht Exegese, sondern Ärgutien der ivildesten Art. Und auf solchem schwammigen Untergründe soll eine ganz neue Constructiotl der israelitischen Geschichte aufgebaut werden! So auch die Behauptung: aus dem Propheten Jesaia ließe sich ent' nehmen, daß die altisraelitische Vorstellung gewesen sei, die Gottheit habe die Weise und die Regel des Ackerbaues gelehrt, habe den Landmann unterwiesen und ihm das Rechte gelehrt (S. 417), also etwa wie Minerva oder Demeter die Hellenen Oelpflanzung und Ackerbau gelehrt hat. In der Fußnote wird die Stelle (Jes. 28,23 — 29) in diesem Sinne ausgelegt, und der darin enthaltene Gedanke, daß Gott durch Leiden sein Volk erzieht, wird durch exegetisches Mißverständniß auf das Niveau des Niedrigen herabgezogen- Jesaia will doch offenbar in dieser Stelle etwas sehr Beherzigens° werthes mittheilen; darum leitet er mit den Worten ein: ״Erwäget und höret meine Stimme, lauschet und hört mein Wort". Und schließt mit den Worten: נם זאת מאת ה׳ צבאות הפליא עצה הגדיל תושיה, was W. wunderlich genug übersetzt: ״Wunderbare Weisheit und große Einsicht". עצה und חושיה ist aber nicht Weisheit oder dgl., sondern Ratschluß, Beschluß.

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