Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 8)
- Language
- German
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340 Die aüernrueste Btbelkritik, Wellhaufen-Renan. gefühlt hat", (S. 116), sondern weil im Tempel Todsünden durch Götzendienst begangen worden waren, und diese auch in der Erinnerung ausgelöscht werden sollen. Diese Analogie in Ezechiel führt zmn Auffinden des Schlüssels für die Einführung des Sühnetages im Pentateuch, für die Vorschrift -um Bau der Stiftshütte und überhaupt für die Abfaffungszeit des Priestercodex. W. war nicht glücklich bei dem Suchen des chronologischen Schlüssels. Auch in der Methode, welche W. bei der Beweisführung für seine Hypothesen anwendet, ist er nicht glücklich, und dadurch zeigen fich die Stützen für dieselben recht morsch. Seine Argumentation läßt an seiner Kompetenz für Entscheidung dieser Fragen zweifeln. W. behauptet: ursprünglich sei die allgemeine Beschneidung bei den Israeliten gar nicht üblich gewesen, sondern nur beim Bräutigam vor der Hochzeit. Er beruft sich dabei auf eine noch gegenwärtige herrschende Sitte bei einigen arabischen Stämmen, daß sich Freier erst vor der Hochzeit beschneiden lasien. Nun, wenn diese arabischen Stämme Mohammedaner sind, so müßte die angeführte Thatsache bezweifelt werden, da die Moslemim allgemein die Beschneidung an den männlichen Kindern vollziehen. Dech das nebenher. Aber W. will es aus Exod. 4,24 f. beweisen (S- 360). Daselbst werde erzählt: Sippora habe ihren jungen Sohn beschnitten als Stellvertretung für Mose, den der himmlische Zorn getroffen habe, weil er sich vor der Hochzeit nicht beschnitten habe. Mose soll eigentlich Blutbräutigam (חתן דפים) sein, aber symbolisch sei der kleine Sohn zur Sühne für das Vergehen Moses ein Blutbräutigam geworden. Wunderlich genug ist es schon, daß Mose hier dargestellt werden soll, als einer, der sich über die Sitte oder den religiösen Brauch, sich vor der Hochzeit zu beschneiden, hinweggesetzt hätte, ein Vergehen, das doch als so schwerwiegend bezeichnet wird, daß er deßwegen dem Tode hätte verfallen