Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
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Me allerneueste Bibelkritik, Wellhaüsen-Renan. 239 man sich in diesen Gedankeng, so kann man die Genesis dieser Gesetzgebung erkennen, welche im innigsten Zusammenhänge mit der Vorschrift für den pomphaften Bau des Stiftszeltes steht. Darin liegt der Schlüssel für das Berständniß des Sühnetages und des ganzen sg. P r i e st e r c o d e x, und diesen Schlüssel hat Wellhausen nicht gefunden. Zu diesem Schlüssel führt die levitische Verordnung im Propheten Ezechiel. Für die Einweihung des von ihm beschriebenen neuen Tempels soll der Altar durch ein Opfer entsündigt und gesühnt werden (43, 20—22). Wozu das? Der untergegangene Tempel war durch vielfache Sünden, besonders durch vielgestaltiges Götzenthnm entweiht worden. Ein Götzenbild war im Tempel ausgestellt (8, 5), sogar ein Priapbildniß war darin angebracht (V. 17), der Name Gottes war dadurch ent» weiht, indem er den Götzenklötzen gleichgestellt werden könnte. Darum verläßt nun Gott das entweihte Heiligthum, zuerst von da zur Schwelle, dann zur Ostpforte, weicht von da zur Stadt und endlich zum Oelberg (10, 1,18 —19; 11—23). Gott hat bei! Tempel verworfen, weil er verunreinigt ist. Da- 1׳um soll das Heiligthum, an dem noch die Erinnerung an die Greuelthaten haftet (43, 7—8: 44, 9—10), v or her gesühnt und Gottes wieder würdig gemacht werden, und diese Sühne soll alljährlich wiederholt werden '); das ist doch jedenfalls ein Sühnetag. Diese Sühne soll nicht etwa erfolgen, wie W.'s schiefe Auffassung es darstellt, weil man sich unaufhörlich ״unter dem bleiernen Drucke der Sünde und des Zornes •) Eziechiel 45,18— 20. V. 20, auf den Wetlbausen ebenfalls recurrirt, ist unverständlich, weil schadhaft; 'HV121 MV כשבעה כדורש מאיש ist unerklärlich. Die griechische Version: (v rm fxqvl np ißSö/u» und dann /.uä tov fiijvdg MjßJr! /rag ixaarov ano/ioiqiav erleichtert das Verständnis durchaus nicht. Diese Stelle darf man für Lösung dieser Frage nicht heränziehen.