Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen-Renan
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
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Die allerneueste Bibelkritik, Wellhausen Renan. 237 Stamm Benjamin die Rede ist, so hatte dieser Stamm keinen abgegrenzten Besitz, sondern wohnte mit Zugehörigen des Stammes Juda unterinischt. Und nun soll Esra sich hingesetzt und Gesetze formulirt haben für gewesene Zustände, die für seine Zeitgenossen nicht das geringste Interesse hatten! Doch wozu so lange bei dieser Absurdität verweilen, daß Esra Autor der größtentheils legislativen Thora gewesen sei? Sie ist nicht neu, sie ist bereits von Spinoza mit Aplomb behauptet worden, aber darin liegt nicht seine Denkergröße. Blau kann Spinoza die Farbenblindheit für die Colorit-Nüancen des hebräischen StyleS verzeihen. Zu seiner Zeit war dieser Farbensinn noch nicht ausgebildet. Ec konnte nicht den Abstand ermessen, welcher zwischen dem klassischen Styl im Pentateuch und den der Esraischen Sprachfärbung liegt, der so groß ist, wie zwischen der griechischen Kölns und der byzantinischen Schreibweise. Wir kennen Esra's und Nehemia's Styl aus den Stücken, welche der Chronist aus deren Denkschriften ausgenommen hat; er ist unrein und geradezu unschön in Sprache und Syntax. Und nun soll er das reine in den historischen Partien schöne Hebräisch im Pentateuch geschrieben haben! Das Hebräische Schriftthum seit Ezechiel enthält mehr oder weniger Aramäismen, und selbst das zierliche Buch Ruth ist nicht frei davon. Der Einfluß des Aramäischen war unwiderstehlich. Stammte der Pentateuch aus der nachexilischen Zeit, so müßte er sie durch Aramäismen verrathen. Allein man kann eine hohe Preisaufgäbe stellen, solche darin nachzuweisen, und es würde kein Hebraist sich darum bewerben. Es ist also eine reine Verblendung, die Abfassung des Pentateuch in die ödeste Zeit der hebräischen Literatur zu setzen, welche nur die Chronik producirt hat, eine Verblendung, die, wie gesagt, man nur Spinoza zu Gute halten kann. Einen besonder» Trumpf spielt Wfür seine Hypothese