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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 4 · p. Seite 159

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 4
Article
Ein Wort über das jüdische Gebet
Date
1886-01-01
Page
Seite 159 (sequence 4)
Language
German
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159 Ein Wort über das jüdische Gebet. als Judäa seine politische Selbstständigkeit ein gebüßt hatte, in eine andere Fassung gebracht. Den jüdischen Exulanten in Babel rief der Prophet Jeremia zu: ״Suchet das Wohl der Stadt, wohin ich Euch geführt habe und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Wohl wird Euch wohl sein", und wie hätte Israel nicht im eigenen Lande für das Wohl der eigenen Hauptstadt beten sollen. Und wie die levitischen Sänger an den Strömen Babels dennoch Jerusalems nicht vergessen konnten, so können auch wir trotz unserer Hingebung an das eigene Vaterland, in dessen Wohl wir unser eigenes erblicken, Jeru» salems nicht vergessen; es müßte denn sein, daß wir kein Interesse, kein Verständniß mehr haben für unseren Stamm, für unsere Geschichte. Das gemeinschaftliche öffentliche Gebet soll gemeinsame heilige Erinnerungen in uns wach rufen, unseren Blick ans die gemeinsamen idealen, geistigen Besitzthümer lenken; das materielle Bedürfniß soll zurücktrete» vor dem geistigen, das Einzelinteresse vor dem Gesammtinteresse. Darum erhielten die Gebete die Pluralform, und bezogen sich, so weit sie nicht einen ausschließlich nationalen Charakter hatten, auf die Menschheit überhaupt. In der 8. Benediction der der biblische Vers zu Grunde liegt: ״Heile Du» Herr, mich, so werde ich geheilt sein, hilf Du mir, so wird mir geholfen sein, denn Du bist mein Lob" wurde der Singular ״mich" in die Mehrzahl ״uns" verwandelt, und der daran sich knüpfende Schluß — denn והעלה רפואה scheint ein Zusatz zu sein — lautete früher: ״Gepriesen seiest Du. . רופא הולים, der Du heilest die Kranken", nicht ״ רופא חולי עטו ישראלder Du heilest die Kranken Deines Volkes Israel", und ähnlich verhielt es sich mit anderen Eulogieen. In diesem Sinns ist die שטנה עשרה abgefaßt, und die drei ersten Benedictionen enthalten gar keine Bitte, gar keinen Wunsch, sondern eine Anrede, und sollen uns dadurch zum Bewußtsein

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