Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Wort über das jüdische Gebet
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
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Ein Wort über das jüdische Gebet. 115 der König Salomo zu Gott, daß er auch die Gebete der Fremden, Nichtisraeliten in diesem Tempel erhören möge, und für den verheißenen Aufbau des zweiten Tempels verkündete der Prophet, daß sein Haus ein Bethaus für alle Nationen genannt werden solle. Hier wird der Tempel geradezu ״ מתBet- Haus" genannt, mit welchen Worten Ein Mal im Talmud auch die Synagoge bezeichnet wird, entsprechend der zuweilen bei Juden gebräuchlichen griechischen Benennung 7tQ0<revx^. Der heilige Tempel zu Jerusalem, wohin ganz Israel zur Festeszeit drei Mal im Jahre wallen sollte, mußte freilich als die geeig« netste Erbauungs- und Vetstätte angesehen werden, aber das Bedürfniß zu beten war doch auch außerhalb Jerusalems fühlbar. Opfercultstätten außerhalb Jerusalems zu errichten, war jedoch verpönt, vom Gesetze streng untersagt, und so sah man sich veranlaßt, ohne Opfercult die Andacht zu verrichten. Dazu kam, daß nach der Zerstörung des ersten Tempels, als Israel in die Verbannung zog, der Opferdienst für geraume Zeit ganz aufhören mußte, Israel aber gerade damals, durch Leiden geläutert» um so gottinniger und religiöser geworden, und um so mächtiger den Drang verspürte, im Gebete sich aufzurichten. Es dürfte demnach, obwohl kein sicheres historisches Zeugniß dafür angezogen werden kann, nicht unwahrscheinlich sein, das bereits während des babylonischen Exils hier und da Versammlungsstätten zu gemeinsamer Andacht und öffentlicher Belehrung durch Vorlesungen aus der Tora und Weissagungen errichtet wurden, und scheinen auch einige Stellen in der Bibel darauf hinzuweisen. Jedenfalls kann sicher behauptet werden, daß während des Bestehens des zweiten Tempels in den Städten Palästinas, wie wohl auch in außerpalästinensischen größeren jüdischen Gemeinden Versammlungs-Gemeindehäuser, Synagogen, bestanden, die zwar zu öffentlichen geineinnützigen Zusammenkünften überhaupt be- 8«