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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 3 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 3
Article
Ein Wort über das jüdische Gebet
Date
1886-01-01
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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Ein Wort über das jüdische Gebet. ו ü in Athen seinen Höhepunkt erreichte, wußte sich seiner Götter« Welt günstiger, geneigter zu stimmen. Heiter und lebenslustig, wie der Hellene war, hat er auch der Götzen plumpe, widrige Gestalt in hübsche, holde Wesen verwandelt, die, mit jugendlicher Frische, Lebensfülle und Anmuth ausgestattet, sogar der Sünde, dem Laster nicht abhold sein mochten. Im Ebenbilde des Menschen hatte die Phantasie diese Götter geschaffen, mit allen Reizen körperlicher Schönheit, mit den hervorragendsten Eigenschaften des griechischen Volkscharakters versehen, geschmückt, jedoch wahr- Haft anbeten konnte man sie nicht. Die griechischen Götter waren hold, aber nicht erhaben, heiter, nicht heilig, nnd eine Verehrungsform, wie sie in gewiffen Umzügen und Culten sich kund gab, müßte schon unser Gefühl für Anstand verletzen, und als unzüchtig zurückgewiesen werden. Das barbarische Heiden, thum hat die Begriffe vom Grausigen und Erhabenen, das grie« chische Heidenthum die Begriffe vom Schönen und Erhabenen mit einander verwechselt. Wer die Gottheit nur fürchtet und scheut, der darf ihr nicht nahen, und wer mit ihr scherzet und spielt, der kann sie nicht verehren. Nur der reine Gottesbegriff, wie ihn das Judenthum erfaßt, die lautere Vorstellung von der Einheit, Erhabenheit und Heiligkeit Gottes und das hohe Bewußtsein, in seinem Ebenbilde geschaffen zu sein, und demge« maß nach einem heiligen Lebenswandel, nach höherer Gesittung streben zu muffen, konnte den Menschen der Gottheit näher bringen, ihn zur tiefen, würdevollen Andacht stimmen und Gebete schaffen, wie wir sie aus der biblischen Zeit besonders in den Psalmen wiederfinden, und aus der talmudffchen Zeit namentlich in der schlechthin ״ תפלהdas Gebet" genannten שטנה עשרה : Gebets, die uns noch heute mächtig ergreife», erbauen und läu« lern, und wohl nie verfehlen werden, eine solche Wirkung auf uns auszuüben. Von welchem gehobenen Gefühle war wohl der Sänger be-

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