Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 3 · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 3
Article
Ein Wort über das jüdische Gebet
Date
1886-01-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829612-2829616-2876011--23401-2876032
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ilo Ein Wort über das jüdische Gebet. Wesen der Gottesverehrung, deren schwacher Ausdruck, matte Kundgebung eine symbolische Handlung oder das Wort, das Niederknieen, das Opfer, das Gebet ist. Wenngleich aber alle Menschen das Walten einer höheren Macht ahnen, und das Bedürfniß zu beten emvftnden, so sind dennoch die Borstellungen von dieser waltenden Macht nicht bei allen Völkern und nicht zu allen Zeiten dieselben, und je nach der Auffassung des Gottesbegriffes, der Tiefe der religiösen Empfindung unterscheidet sich die Weise der Verehrung, die Form des Gebetes. Die Denkweise und der Charakter der verschiedenen Zeitalter und Völkerschaften äußert sich in den For> men des Gottesdienstes, und wir würden ein Geschichtsbuch der menschlichen Entwicklung vor Augen haben, wenn wir ein vollständiges Gebetbuch aus früheren Tagen besäßen. Der Mensch auf der niedrigsten Stufe der Bildung erblickt das Schöne in der Carricatur, das göttlich Erhabene im Schaurigen und Grausigen, und das ungebildete heidnische Alterthum, das die Gottheit in furchtbarer, Schauer und Grauen erregender Gestalt. sich dachte und abbildete, verehrte in dem Wahne, das Theuerste hingeben zu müssen, um die zürnende, grollende Gottheit zu versöhnen, einen Moloch-Götzen mit grausamen Menschenopfern. Nach der sina'ttischen Offenbarung wurde eine solche Verehrungsweise auf das Strengste untersagt, und an der Schwelle dieser Offenbarung sollte Abraham aus Liebe und Hingebung zu Gott, seinen Sohn ihm zu opfern, wohl die Kraft besitzen, doch geschehen sollte es, wie schon der Talmud bemerkt, nimmermehr. Die Söhne Abrahams besaßen stets die Kraft, Opfer ihrer Ueberzeugung zu werden, doch der Priester, der diese Opfer brachte, war kein Nachkomme Abrahams. Zur Ehre Gottes darf kein Mensch geopfert werden, sei es ein Kind auf dem Altäre, oder ein Ketzer auf dem Scheiterhaufen. Das fortgeschrittene, gebildete Heidenthum, wie es besonders in Hellas,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.