Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Wort über das jüdische Gebet
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Dort über das jüdische Gebet. L0S Lin Wort über das jüdische Hebet. Ein populärer Vortrag. Die Quelle des Gebetes ist des Menschen Herz, und sein Ursprung ist etwa so alt wie die Menschheit. Bevor noch die Staaten sich gebildet, und die Völker nach Stämmen und Sprachen sich gesondert, bevor es ein Glaubensbekenntniß gab, und die Menschen stch confessionell von einander geschieden, hat der Erdensohn zu beten verstanden, zn seinem Gotte sich zu erheben gewußt. Noch hatte der Mensch kein eigenes Haus und konnte um so weniger an ein Gotteshaus denken, als er in der Natur, die ihn umgab, einen Tempel des Herren gewahrte, der ihn zur Weihe und Andacht einlud. In der harmonischen Mannigfaltigkeit des Daseins, in der stetigen Bewegung der Himmelskörper, wie beim Anblick überwältigender, erschütternder Naturerscheinungen mußte der Mensch das Weben und Wirken einer höheren Macht ahnen, der gegenüber er sich gering und ohnmächtig erschien, das Wirken und Walten einer höheren Macht, die doch wohl auch über sein eigenes Dasein, sein eigenes Geschick walten müßte, und von der er Heil zu er. hoffen, Ungemach zu befürchten hätte. Das Bewußtsein von dieser höheren Gotteskraft im Gegensatz zur eigenen Schwäche, das Jnnewerden der näheren Beziehungen zwischen Gott und dem Menschen, die erhebende Vorstellung von der Macht und Majestät Gottes in der dadurch von Demuth erfüllten Seele bildet aber den Inhalt der religiösen Empfindung, das