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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 12 · p. Seite 540

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 12
Article
Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
Date
1885-01-01
Page
Seite 540 (sequence 12)
Language
German
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540 Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte. sondern von so echten Christen, daß, ein Tropfen jüdischen Blutes in ihren Adern entdeckt, sie zur Selbstverachtung führen würde. Eben diese ihre wohlbewährte christliche Abstammung, ver- Kunden mit ihrer christlichen Liebe, regt sie an, die Anklage gegen die Schändlichkeit und Schädlichkeit des Talmuds zu erheben, und sämmtliche Juden, als treue Befolger der talmudischen Jmmoralität, hineinzuziehen. Sie können zwar nicht ein Talnrudexemplar von einem Koran unterscheiden, und doch wären sie bereit einen Eid zu leisten, daß sie im Talmud teufliche Lehreu gefunden haben. Was ist ihnen ein falscher Eid? Der Ueberschuß an christlicher Gesinnung macht diese Kleinigkeit verzeihlich. Zudem hatten die Stöcker und die Rohling jüdische Eideshelfer״ die Mai und Brunanus, die an Glaubwürdigkeit ihren Patronen und Brodherren nicht nachstehen. Der Sturm, der von Berlin und Wien aus gegen den Talmud raste, ist glücklicherweise abgeschlagen. Wird das das Ende seines Schick׳ salsganges sein? Ist er gesichert, daß nicht die Verworfenheit ihn abermals in den Anklagestand versetzt vor dem Tribunal der öffentlichen Meinung, wobei die Unwissenheit und die Voreingenommenheit als jury fungiren würden? An den Talmudkundigen, welche zugleich wiffenschaftlich befähigt sind, liegt es, die Wiederholung dieser Verleumdung zu verhüten und den Talmud vor ungerechtem Unglimpf zu schützen. Der Talmud enthält so viele und so tiefe ethische Wahrheiten, die, wenn zusammengestellt und beleuchtet, das Vorurtheil gegen ihn entwaffnen und die Verleumdung verstummen machen müßten. Aber auch die wenigen Schattenseiten, die in ihm enthalten sind, an welche sich die Bosheit anklammert, brauchten nicht verschwiegen und verschleiert, sondern könnten gerade offen dargelegt werden, aber zugleich in der richtigen Beleuchtung des Hintergrundes, daß dadurch ihre Erklärung und ihre Berechtigung klar werden: a’etait 4 la guerre comme L la guerre.

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