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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 12 · p. Seite 538

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 12
Article
Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
Date
1885-01-01
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte. Sabbatai Zewi's und als Fleischgewordene Gottheit ausgabsn und Gläubige fanden. Es war eine traurige Zeit in der Indenheit, von der zweiten Hälfte des l 7. an, bis die von Mendelssohn ausgegangene Aufklärung diesem Taumel ein Ende gemacht hat. Die zahlreichsten Anhänger hatte dieses Messiasthum in den südpolnischen Provinzen, die aber, weil die Sabbatianer sammt und sonders wegen ihrer wilden Ketzerei in den Bann gelegt worden waren, mit ihrem Thun geheim halten mußten. Um so grimmiger haßten sie die Rabbinen, welche sie verfolgten, und mit den Lehrern des Talmud auch diesen selbst. Diese Schwärmer wurden von dem Erzschwindler Frank aufgestachelt, ihre Feindseligkeit gegen den Talmud offen zu bekennen; sie nannten sich daher Contratalmudisten, bekannten eine Art Trinität, die sie mit kabbalistischen Floskeln aus dem Sohar belegten, und gaben vor, dem Christenthum sehr nah zu stehen. Da diese Polnischen Sabbatianer oder Fraukisten von den Rabbinen wegen ihrer Ketzerei und ihres, wie bezeugt wurde, unzüchtigen Wandels mit Hilfe des Polnischen Adels und der Geistlichkeit verfolgt wurden, so traten sie öffentlich als Ankläger des Talmuds auf nnd behaupteten, daß er seine Anhänger gradezu lehre, die Christen zu betrügen und zu morden und besonders Christenkinder aus der Welt zu schaffen. Sollten die Vertreter der Kirche, der Bischof von Podolien und sein Kapitel, einer solchen Anklage, von Juden geschleudert, die ebenso talmudkundig wie ihre Gegner waren, keinen Glauben schenken? Sie waren um so mehr von der Richtigkeit derselbe« überzeugt, als die Rabbinen, die Vertreter des Talmuds, kein Wort der Vsrtheidiguug Vorbringen konnten,weil sie weder polnisch, noch eine andere Sprache verstanden, sondern nur in ihrem Bet-Ha-Midrasch-Jargon stotterten. So wurden den» auf Befehl des Bischofs von Kamienez viele Tausende von Talmud-Exemplaren ausgesucht, in eine große Grube geworfen und von Henkershand verbrannt (1767).

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