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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 12 · p. Seite 537

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 12
Article
Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
Date
1885-01-01
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte. 587 Grundbuch, das ihnen so theuer geworden war, wie das erste, die heilige Schrift, daß es nicht plötzlich wiederum Gegenstand der Anklage werde. Und in der That wurde wiederum in den fünfziger Jahren des aufgeklärten achtzehnten Jahrhunderts der Scheiterhaufen für den Talmud angezüudet, Aber diesesmal hatte die Judenheil mehr Schuld daran als die Christenheit. In Polen, das damals noch bis Podolien und Volhynien reichte, beherrschte der Talmud die Köpfe der Juden vollständig; jeder polnische Jude war mehr oder weniger Talmudist. Durch diese fortwährende Beschäftigung mit ihn! wurden die Auslegung desselden zur unglaublichen Spitzfindigkeit hinaufgeschraubt. Jeder Nabbiner mußte, um sich von dem Troß der Talmudisten irgend wie auszuzeichnen, eine neue Subtilität darin finden. Der Talmud stand unter diesen säst noch höher im Ansehen als die heilige Schrift, ja diese selbst wurde nur mit talmudischer Kniffigkeit ausgelegt Dadurch gingen aber die Regungen des Gemüthes und der Phantasie völlig unter. Diejenigen, welche kein Behagen an der Trockenheit und Subtilität der talmudischen Diskussionen fanden, vertieften sich in ein drittes Grundbuch, den S o h 6 r, die Ausgeburt krauser Mystik aus dem 13. Jahrhundert. Da nun die Quintessenz dieses für hochheilig gehaltenen Buches die Messiasidee ist, wie die Ankunft des Erlösers durch Andacht, Fasten und sonstige Uebungen gefördert werden könne, so bediente sich seiner eine Reihe von Phantasten und Schwindlern, welche sich seit dem Jahre 1666 als Messias und Jncarnation der Gottheit ausgaben. Der erste war SabbaLai Zewi aus Smyrna, der, obwohl er mit seinem Anhänge zum Mohammedismus übergegangen war, doch in der Judenheit schwärmerische Gläubige fand, mehr noch unter Gelehrten als unter Ungelehrten. An ihn lehnte sich an der Spanier Miguel Cardoso, der Ungar Mardochai von EisenstadL, der Pole Chajim Malach, der Bosniake Nehemia Chajon und zuletzt Joseph Frank, die sich sammtlich als Nachfolger

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