Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Schicksake des Talmud im Verlaufe der Geschichte. 535 Das tridentinische Concil hat also den Talmud gerettet, aber mit vielen Wunden bedeckt. Eine Prüfungscommission mußten die Juden einsetzen, um alle die Stellen daraus auszumerzen, welche dis Unwissenheit oder die Bosheit, als auf die Christen oder das Christenthum bezüglich hätte auslegen können. Wo im Talmud von Heiden die Rede ist, unter der Benennung Goj, machte die Censur-Commission daraus Samaritaner (מתי) oder gar Aethiopier (כושי), oder es wurde dafür gesetzt: ״Anbeter der Gestirne und Planeten (Akkum)". Wo das Wort ״Min" (בזיז) stand und sich auf die Judenchristen der ersten Jahrhunderte des Christenthums bezog, wurde dafür Sadducäer (צדוקי־) geschrieben. Ganze Stellen, welche in der Hitze des Kampfes zwischen den Juden« christen und Juden von diesen als Sagen über den christlichen Ur« sprung in den Talmud hineingekommen sind, wurden selbstver- L.wpI1ssi1ne, reverendissimeque arcMepiscope pragensis et Caes.Maj. orator meritissime! Ex eo, qnod amplitudo Tua, sicat accepimus, omnibus viribus pro restituendo Talmud alioque correctlssime pluries pugnarrt, atque coiifcenderit, perfecte novimus, quem liabueris animum, nempe ad beneficentiam propcnsissimum. Quam ob rem tantae curae imimemores effici nequentes, ne nobis crimini detur, si non quas debemus, 8altem eas, quas possumus, tarn nostro quam totius universitatis nomine Tibi reverendissimo immortales agimus gratias; res agitnr penes illustrissimos legatos, quam ad summum pontificem ferendam opinamur. Quo-d et 81801a observantia solave devotione (quae in nobis 6st) tarn yebemenfci cbaritati satisfacere valeamus. DeumOpt, Max. toto ex corde obsecramus, qui in beneficos beneficentissimum semper se osten dit, ut aequam mercedem Tibi amplissimo reddet — Devotissimi servi Judaeorum oratores-, Wer mag dieses lateinische Dankschreiben ftqjlifirt haben? Die oratores dadaeorum,d. h. die damaligen Pamasstm voü Prag,waren schwerlich im Stande, diese lateinische Wendungen drechseln zu können. Sollte der aus der italienischen Druckerfamilie Soncin stammende Mardochai Zemach so viel Lateinisch verstanden haben? 1561 hatte er sich nach Rom begeben, um den Papst Pius IV anzuflehen, bei dem Kaiser Ferdinand zu interveniren und dessen Gelübde, die Juden aus Prag auszuweisen, aufzulösen. Mardochai Zemach muß also mit dem Papste gesprochen haben, italienisch oder vielleicht gar lateinisch.