Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 12 · p. Seite 533

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 12
Article
Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
Date
1885-01-01
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829598-2829611-2875894--23227-2875908
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte. 533 Druck zu verbreiten und schützte die Verleger durch Privilegien. Darauf legte ein reicher Verleger aus Antwerpen, Daniel Bömberg, den Talmud in Druck. Er schien von jetzt an gegen Anklagen gesichert. Doch sein günstiges Geschick war damit nicht besiegelt. Ein Nachfolger des Papstes Leo dekretirte — zum Beweise für die Unfehlbarkeit des Statthalters Gottes — das Entgegengesetzte, die Aechtung des Talmuds. Wiederum waren getaufte Juden als Ankläger wider ihn ausgetreten. — Im Hause des in das jüdische Schriftthum verliebten Egidio di Viterbo lebte der jüdische Gelehrte Elia Levita, welcher diesen Kardinal unterwies und eine hebräische Grammatik auSarbeilete. Mit ihm lebten zwei Enkel in dessen Hause, die Zum Chnstenthum übertraten. Einerderselben, Johannes Baptista Eliano Romano, der in den Jesuitenorden eingetreten war, klagte mit zwei andern Convertiten von neuem den Talmud als christenfeindlich an. Der Papst Julius III oder vielmehr der Großinquisitor nahm die Anklage als erwiesen an und ließ die Zahlreichen Talmudexemplare, welche in Druckereien, in Lehrhäusern und bei Privaten in Italien vorhanden waren, confisciren und verbrennen (1553). Es war ein Schmerz für die Juden und ein großer Verlust für die Druckereibesitzer, welche christliche Unternehmer waren und ein lukratives Geschäft mit den Absätze gemacht hatten in Deutschland, Polen, der Türkei und überall, wo es jüdische Gemeinden gab. Sein zweiter Nachfolger auf dem Petrus-Stuhl, der Theatiner Caraffa, unter dem Namen Paul IV, welcher in Verbindung mt den Jesuiten die Inquisition mit ihren Foltern und Scheiter- Haufen in Italien einführte, ein ingrimmiger Feind der Protestanten und Juden, ließ überall auf versteckte Talmud exernplare sahnden, und wenn sie gefunden waren, verbrennen (1555—59). Sein Nachfolger Pius IV (1559—1556) war milder gestimmt gegen die Juden und hat manche Härte seines Vorgängers

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.