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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 12 · p. Seite 530

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 12
Article
Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte
Date
1885-01-01
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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530 Die Schicksale des Talmud im Verlaufe der Geschichte. großes Aufsehen in Frankreich. Es wurde ein öffentliches Disputatorium gegen und für den Talmud veranstaltet, dem die Königinmutter, der König, Kirchenfürsten und Adlige beiwohnten. Das Ende war die Verurtheilung und Verbrennung des Talmuds in dem damals rechtgläubigen Paris. 24 Wagen voll mit Handschriften des Talmud wurden damals (1242) dem Feuer übergeben, der Besitz desselben wurde bei schwerer Strafe verboten, und von Zeit zu Zeit wurde in den französischen Städten, wo talmudische Lehrhäuser bestanden, auf versteckte Exemplare vigilirt. Zwanzig Jahre später trat abermals ein Täufling als Ankläger gegen den Talmud auf, Namens Pablo Christiani und zwar in Aragonien unter dem König Jakob (Jaime) I, der ebenfalls eine Disputation deswegen veranstaltete; es war in Barcelona (1263). Hier wurde aber der Talmud nicht verbrannt, sondern nur der Censur unterworfen. Aus den Handschriften mußten alle Stellen gestrichen werden, welche scheinbar vom Christenthum Unliebsames enthalten. Zum dritten male wurde wegen des Talmuds eine öffentliche Disputation veranstaltet, die sich länger als zwei Jahre in Tortosa hinzog (1413—1415). Als Ankläger gegen denselben trat abermals ein Convertit auf, Josua Lorqui, mit seinem christlichen Namen Geronimo de Santa FL. Der schismatische Papst Benedikt XIII, welcher wegen Ketzerei und schwerer Verbrecher von einem Conzil in den Bann gethan und seiner geistlicher Würden entkleidet worden war, wollte die Anklage gegen der Talmud benutzen, um sich zu rehabilitiren. Der Talmud wurdt zwar von diesem Papste abermals zum Scheiterhaufen verurtheilt, aber das Urtel hatte keine Folgen weiter, weil dieser Statthaltei Christi von dem Conzil zn Costnitz gewiffermaßen für vogelfrei erklär! worden war, und eiu fanatischer Predigerund Führer von Geißelbrüdern in Kirchen und auf Straßen öffentlich predigte: ״ein solche!

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