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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 9 · p. Seite 391

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 9
Article
Studien zur Aggadah
Date
1885-01-01
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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Studien zur Aggadah« 391 Aus diesem Bestreben, den Vortrag über eine Schriststelle durch einen in ihrer Begriffssphäre liegenden, individuellen Fall zu illustriren, scheint die PeLhirah hervorgegangen zu sein; der didaktische Theil, die abstrakte Entwicklung des Vortrags verblaßte alsdann und wurde fallen gelassen, die Exemplifikation hingegen, welche sich durch den ganzen Gedankengang hinzog, ist als die interessantere und eindrucksvollere Partie nach ihren hauptsächlichsten Momenten fixirt worden und blieb dadurch der Nachwelt als PeLhirah erhalten *). Von diesem Gesichtspunkt ״) Selbstverständlich werden uns wol noch mehr Pethiroth verloren gegangen sein, als erhalten geblieben, und gar manche Absonderlichkeiten in der Aggadah, welche unserem ästhetischen Geschmack oder exegetischen Gefühl widerstreben, mögen vielleicht in einer solchen Pethirah, die uns abhanden gekommen, ihre Wurzel gehabt haben. Im Zusammenhang einer solchen Homilie kann sie als gelegentliche, pikante Aeußerung oder Anspielung den besonderen Beifall der Hörer erregt und dadurch mit der Zeit immer größere Autorität erlangt haben. Später verfiel ihre Grundlage, die Pethirah, in Vergessenheit, der wunderlichen Deutung aber verblieb nichtsdestoweniger der ursprüngliche Glorienschein, den wir uns heute nicht mehr erklären können. Beispielsweise wird in der Aggadah wie eine seststehende Thatsache erzählt, daß 8 Propheten, worunter Jeremijahu und Ezechiel, in der Rahab aus Jericho, der Zeitgenossin des Josua, ihre Ähnfrau haben. Sieht man sich nach einer Begründung für diese Behauptung um, so findet man als einzige, die sich dafür auftreiben läßt, eine Art Pethirah in Ruth Rabbah, Parschah 2 Anfang, wo sie auf עבם המלך במלאכתו ישבו שכם gestützt wird. Diese Begründung reicht selbst im aggadischen Sinne nicht aus, und es existirte dafür wahrscheinlich eine noch beweiskräftigere Pethirah die uns entweder völlig verloren gegangen, oder in einem wunderlichen Trümmerstück Pesikta S. 111 b zu den Worten לא היית כזונה לקלס אתכן — wobei אתנן, auf אתה zurückgesührt, als ״Nachkommenschaft" erklärt wird und demnach diese Worte zu verstehen sind ״du warst nicht wie jene Buhlerin, deren Nachkommenschaft zu loben ist" — uns erhallen sein mag. Einen Beleg dafür, daß eine solche Homilie nicht auf uns gekommen, aber durch ihre Spurreste aus ihre einstige Existenz schließen läßt, giebt ganz deutlich Piska 3 Peth. 1 (6. 22 V) יזכה עון אבותיו. Diese Pethichah beginnt sofort mit der Frage, ob עון אבותין ein subjectives oder objektives Verhälrniß ausdrückt, setzt dabei als selbstverständlich voraus, daß an dieser Psalmstelle nur Esau gemeint sein kann. Zu dieser Voraussetzung ist aber weder Anlaß vorhanden, noch wird

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