Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Historische und topographische Studien
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
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Historische und topographische Streiszüge. 291 Osierfeier war ihnen so heilig, daß sie diejenigen, welche die Ostern zu einer andern Zeit begingen, als Ketzer ansahen und einen Fluch über sie aussprachen. Anders die Christen in Rom. Sie bestanden größtentheils aus Proselyten aus dem Heidenthum, vermehrt von dem nach der Hauptstadt strömendem griechischen Gesindel. Diese feierten stets den Sonntag nach Frühlingsanfang als Ostertag, unbe« kümmert um das jüdische Paßah und das zu dessen Andenken eingesetzte Abendmal. Die römischen Bischöfe, welche vermöge ihres Sitzes in der Hauptstadt und ihres großen Einflusses die Suprematte in kirchlichen Angelegenheiten erlangt hatten, bestanden! auf die Osterfeier nach römischem Brauche. Der Papst Anicetus! gerieth deswegen in Streit mit dem hochverehrten Bischof Polykarp von Smyrna (um 160). Es entstanden Streitschriften darüber. Der Papst Victor verabredete mit mehreren europäischen Bischöfen die Quartodecimaner von der Kirchengemeinschaft äusznschließen (196). Ein gewisser Blasius, wahrscheinlich aus Kleinasien, trat nämlich offen für die Osterfeier nach jüdischer Zeit ein *). Der Bischof Irenaus von Gallien mußte interveniren, daß nicht über die Quartodecimaner der Kirchenbann aus«!gesprochen wurde. Hinter der Antipathie der römischen Bischöfe!gegen die Osterfeier nach jüdischem Kalender steckte eigentlich jbie Abneigung gegen das Judenthum überhaupt; die Kirche (?»Ute mit diesem nichts gemein haben oder vielmehr nicht von!zu ersten Phase liegt ein Tag. Die Juden zählten die Monatstage gvon dem ersten Sichtbarwerden des Neumondes oder nach der Conjunctton, dmd was nach ihrer Berechnung der 1L. war, war für die Christen der M. Niban. § ') Appendix ad Tertulliani de Haereticis: Blasius . . . Ml latenter Judaismum vult introducere. Pascha enim, jdicit, non aliter ciistodienduni esse, nisi secnndum legem poysi quartodecima mensis.