Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Studien zur Aggadah
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 8)
- Language
- German
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Studien zur Aggadah. 217 welche sie ausgeht. Alsdann wird ebenfalls die auffällige Haufung der Pethichah's in manchen Piska's aus dem Bedürfniß oder dem Wunsch erklärlich, die Kenntniß der einen oder andern Perikope dem allgemeinen Bewußtsein besonders eindringlich zu intimiren. In diesem Sinne haben wir die Pethichah als perikopische Homilie bezeichnet, d. h. als eine solche, welche dazu bestimmt ist, auf die fixirte Perikope hinzuweisen, einen naturgemäßen Namen für sie einzuführen, sie dadurch dem Gedächtniß fest einzuprägen, und die Bekanntschaft mit ihr möglichst zu verallgemeinern. Ist damit die perikopische Tendenz der Pethichah erwiesen, so können wir uns auch nicht den Schlußfolgerungen entziehen, welche daraus namentlich für die Stellung der Pesikta innerhalb unserer Midraschliteratur hervorgehen. Wir wollen jedoch erst dann auf dieselben des Näheren eingehen, wenn wir die Wahrscheinlichkeit dieser Hypothese durch weitere Indizien werden verstärkt haben, aus denen wir uns zugleich vergewiffern wollen, daß diese Tendenz einer zielbewußten Absicht entspringt, nicht bloß ein Spiel homiletischer Gepflogenheit ist, zu dem es sich entnommen ist? Bnber änderte daher dies ab in איכה היחה לזונה unb freute sich, diese Aenderung vom Kod. Parma bestätigt zu sehen (Not. 1). In Wahrheit ist dadurch nichts gewonnen, da ja der Stichvers sämmtlicher Petichah's YD איכה ישבה ist, und auch nach ihrem Sinn gar kein anderer sein kann. Möglicherweise hat hier der auch sonst verläßliche Kod. Oxford das Richtige, der als Ueberschrift zur ersten Pethichah nichts weiter hat als איכה; demnach dürsten auch die sämmtlichen Pethichah's zu ihrem Schluß- oder Stichvers vielleicht nur איכה haben, nichts weiter. Wahrscheinlicher aber und sinngemäßer lautet der Stich- Vers YD איכה ישבה; dem Verfasser der Pesikta lag eben viel mehr daran, an dem derzeitigen Sabhath den 9. Ab in Erinnerung zu briugen, oder die Lektüre der Jeremijanischen Klagelieder dem Volk einzuschärfen, als an der Hastarah. Vielleicht hat auch die Hastarah aus diesem Grunde ursprünglich mit *איכה היהה לזונך begonnen, und erst später, als der eigentliche Zweck überflüssig geworden» ist das ganze erste Kapitel als Hastarah gelesen worden.