Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Studien zur Aggadah
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 5)
- Language
- German
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170 ©tubien zur Aggadah. zusammengetragen, so dürfen wir doch als wahrscheinlich vermuthen, daß diese Excerpte schon an ihrer heimathlichen Fundstätte einer organischen Verbindung und Eingliederung entbehrten, daß daher bei der Verpflanzung die originale Form und Ausdrucksweise gar nicht verwischt wurde. Die Veränderung, welche mit den Excerpten vorgenommen wurde, dürfte sich wol darauf beschränkt haben, daß man die Ecken und Enden ein wenig abstumpfte, daß man Verbindungs- oder Abschlußphrasen hinzufügte; allenfalls pflegt das palästinensisch-aramäische Idiom, das überdies von griechisch-römischen Solöcismen reich durchsetzt ist, später allmälich in das reine Neuhebräisch überzugehen. Eine Analogie hierfür bietet uns der Jalkut Schimeoni, den man mit vollem Recht als den letzten Ausläufer dieser Schriftenreihe betrachten darf, obzwar derselbe europäisches Produkt ist» in eine sehr späte Zeit hinabreicht und auf den ersten Blick als bloßes Sammelwerk ohne jede originelle Gestaltung sich giebt Erscheint nun also die gesammte Anslegungshaggadah als das Produkt einer mosaikartigen Zusammenstellung disparater Kompilationen, für welche die Schriften verschiedener Verfasser und weit abstehender Zeiten benutzt wurden, so läßt sich nichtsdestoweniger in jedem einzelnen dieser haggadischen Werke eine spezielle, charakteristische Eigenart erkennen, durch welche es sich von allen übrigen deutlich unterscheidet. Dieser spezielle Charakter ist einerseits bedingt durch die Grundschriften, welche dem jeweiligen Sammler zur Verfügung standen, und beruht anderseits auf der Tendenz und M e t h o d e, nach welcher der Vorgefundene Stoff ausgewählt und geordnet worden. Das letztere, — die jedem Sammler vorschwebende Tendenz und die daraufhin angewandte Methode, in seine ') Zunz, G. V. S. WSfs. -