Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unserer Altvorderen
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
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Ijß2 Hebet die Erbauungs- und Unterhaltungsleetüre Phantasie an. Sie mußten gegen dogmatische Angriffe von Renegaten wehrhaft gemacht werden, und diesem Zwecke diente besonders der Theriak S a l m o n von O f f e n h au s en's. Wo irgend ein besonderes Ereigniß, es sei ein freudiges oder ein leidvolles, Genoffen des Glaubens begegnete, oder wenn sonst irgend etwas hervorragend Merkwürdiges geschehen war, bald wurde die Kunde davon durch Druck verbreitet. Besonders waren es patriotische Feierlichkeiten und Festaufzüge, Jlluminationen und dgl., die gern beschrieben wurden. Wir gehen nunmehr von der Prosa zu den Liedern und zum Schauspiel ׳>ber. Neben den religiösen Liedern, die ״göttliche" genannt werden, giebt es eine reiche Fülle weltlicher, ״schöner artiqlicher" oder ״kurzweiliger", die wir am Besten unter die RuhM,; Balladen, Gelegenheitslkeder befassen können. Zumeist ist gegeben, nach welcher Melodie — auch ״Ton" --- ניגון genannt sie zu singen seien. Wie beim deutschen Volkslieds, gilt hier: Das Lied ging von Mund zu Mund, von Ohr gu Ohrk;, Die Musik soll den Text tragen helfen; aber die Melodie wird bald die Hauptsache, der Text die Nebensache. Ost wird eine weltliche Melodie einem göttlichen Liede untergelegt a), wie das ja bis in unsere Zeit die Weise mancher ״Chasanim" geblieben ist. Synagogensänger sind oft auch die Dichter und die Componisten. Einige Lieder sind bezeichnet als ,,a la modischen". Aus dem 16. Jahrh. schwebte Späteren für göttliche Lieder die Melodie des Samuelbuches, für weltliche die des Buooa-Buches vor. Ich führe den Anfang eines schönen neuen Liedes von einem ״Ritter aus der Steiermark" an, dessen Beginn und dessen '1 Gervinus II S. 494. 'i Z. B. in Nr. 3676 des Catal. Bodl. Kurz führt ein Volkslied an mit dem Anfang: ״Es liegt ein Schloß in Oesterreich". Vgl. auch P e r l e s Beiträge z. Geschd. hebt. u. aram. Studien, München 1884 S. 170 Anm.