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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 4 · p. Seite 156

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 4
Article
Über die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unserer Altvorderen
Date
1885-01-01
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 liebet die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unterhalten an Spiel bisweilen, an Lectüre, so oft es ihre Muße gestattete. Wir verweilen nicht länger dabei, daß ihre Frühlichkeit am Purim sich nicht selten bis zu einer Ungebnndenheit und Zügellosigkeit in Parodirung und Persifflirung des Heiligsten selbst verstieg, daß die Besseren sich deren schämten — so wurde in Frkf. a. M. von den jüdischen Vorstehern selbst ein im Jahre 1708 gebrülltes Achaschweroschspiel confiscirt und verbrannt, daß es S ch u d t sehr schwer wurde, ein Exemplar zu bekommen *) —; aber das ganze Jahr hindurch bewiesen sie die Gabe, sich an Lectüre zu unterhalten. An welcher? Vergebens suchen wir fruchtbaren Bescheid bei den Trägern der Halacha, die ja berufen gewesen wären, das gesammte Leben zu normiren. Josef K a r o *), gestützt auf Toszaphot und Ascheri, verbietet die Lectüre von Dichtungen und Parabeln profanen Inhalts, von Romanen, wie I m m a n u e l 's Buch, und Kriegesschilderungen am Sabbath, aber auch an Werktagen; vollends die von Liebes-Romanen, deren Verfasser, Uebersetzer und Druckleger sich schwer an der Gesammtheit versündigen. Dazu bemerkt Iss erlös, daß ein Unterschied zu statuiren sei zwischen Schriften, die in fremder und solchen, die in heiliger Sprache geschrieben seien. Dieser Unterschied ergebe sich aus Toßaphot, und dahin gehe auch der erleichternde Brauch. Die Commentatoreu des Schulchan Aruch fügen Nichts von Belang hinzu. Aber in Wahrheit bahnt sich jüdisches Leben nicht selten — abseits vom Schulchan Aruch — seine Wege, und die Profanliteratur verschafft sich Eingang in die jüdischen Häuser, sodaß die jüd.-deutsche Erbauungsliteratur nicht zum geringsten Thsile aus dem Bedürfniß hervorgegangen ist, für ’) Iüd. Merkwürdigkeiten IIS. 316. Vgl. auch S. 315 die Aeußerung des Unwillens seitens der Inden über das Lästerliche der Narrenpossen eines Pickelhärings. ') Orach Chajim 307,16.

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