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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1885-01-01 · Heft 4 · p. Seite 148

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
34 (1885)
Issue
Heft 4
Article
Über die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unserer Altvorderen
Date
1885-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 liebet die Erbauungs- und Unterhaltungsleetüre Jahrzehnten mit Wärme sich angenommen, und sie in ein günstigeres Licht gestellt. An der Hand dieser Forschungen ,vollen wir in dieser Stunde die Frage zu beantworten suchen: An welcher Lektüre haben unsere Altvorderen sich erbaut, an welcher sich unterhalten? Wer die Geschichte der geistigen Entwickelung in Israel kennt, weiß, daß dieser Stamm religiöser Anlage, diese klassische Ge׳ meinde der Gottinnigkeit jederzeit erbauliche Gedanken und Schriften der Andacht vielmehr Anderen mitzutheilen als von ihnen zu entlehnen in der Lage war, daß hingegen seine Anterhaltungsliteratur, auch in den guten Tagen nicht allzu sehr von ihm gepflegt, auf seiirem langen Leidensganqe neben ivenigem Originellem zu einem Theile aus fremden Quellen geschöpft werden, zum anderen mit der fremden Volksliteratur geradezu identifch sein mußte. I. Bibel und Gebetbuch, Gottes Wort, an die Menschen gerichtet, und der Menschen Wort, an Gott gerichtet, bilden naturgemäß die beiden Pole, zwischen denen die religiöse Welt sich bewegt. Die heil. Schrift der Quell, dem alle Gottinnigkeit des Menschen entströmt, und das Gebetbuch das Meer, in welches alle Frömmigkeit des Herzens einmündet. Jene der Ausgang, diese der Rückgang, jene der Ursprung, diese der Ausdruck aller Heilsempfindung; und darum gipfelt die Andacht aller Völker von Cultur und Cultus im Psalter, weil er ihnen zugleich Bibel und Gebetbuch geworden. Erinnerung und Hoffnung heben über die Trostlosigkeit der Gegenwart hinweg, und wer der Gnaden Gottes in der Vergangenheit gedenket und dem kommenden Heile zuversichtlich entgegenharrt, den kann augenblickliches Leid nicht wankend machen im Glauben. Das gilt mehr noch, als vom Einzelnen, von der Gesammtheit. Israel erbaut sich in der Vergänglichkeit am Ewigen, die Erinnerung au seine Erkorenheit und die Zu«

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