Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre unserer Altvorderen
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Ueber die Erbauungs- und Unterhaltungslectüre sehen wir die Genossen der mannigfachsten Stämme, die Bekenner der verschiedenen Religionen an einem und demselben Stoffe sich zerstreuen oder sammeln, sich ergötzen oder erheben. Für die Culturgeschichte bleibt in diesem Betrachte als beachtenswerthestes Beispiel die Thatsache, daß das Leben Buddha's zum vielverbreiteten Erbauungsbuche der Christen, Muhamm e d a n e r und Juden geworden So gewahren wir denn zu unserem wirklichen Herzenstroste, wie neben dem vielen Scheidenden und Sondernden in der Menschenbrust noch so viele einigende und verbindende Gewalten ruhen oder vielmehr thätig sind, um über die trennenden Schranken der Stamm esthümlichkeit und des Bekenntnisses hin. weg die Menschheit zu umschlingen mit dem Bande, daran gemüthstiefe Empfindung im Vereine mit gestaltender Einbildungskraft allerorten und jederzeit gewoben haben und fortwebe» werden. Zn Kunst und Wissenschaft allein — und vornehmlich in der alle Forschung unserer Zeit beherrschenden vergleichenden Wissenschaft — hat die Idee des bloßen und reinen Menschen׳ thums, der Humanitätsgedanke, der im Verkehre zwischen Volk und Volk, zwischen Staat und Staat vor dem immer schärfer zu Ausdruck gekommenen Stammesbewußtsein hat zurückweichen müssen, ein Asyl gefunden, wohin er vor dem Getriebe der Gegenwart scheu sich zurückgezogen, wo er in Ruhe sich kräftigt, und aus dem er dereinst wieder hervortreten wird, gerüstet mit des Wissens Waffen, die gebildete Welt sich wieder zu erobern. Wie der Naturwissenschaft kein Objekt der Forschung gering erscheint, also achtet auch die Wissenschaft des Geistes auf das Geisteswehen des geringsten Volksstammes, als auf einen Beitrag zur gesammten Geschichte der Entwickelung des Menschengeistes. Als Mittler und Verbinder dieser Welt-Literatur nehmen ') Steinschneider in Hebr. Bibliographie IH p. 120.