Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 34 (1885)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Schreiben an Master Th... in Triest über Kohelet
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
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132 Schreiben an Master Th... in Triest über Kohölet. als die andern in KohÄetS Gedankengang eingedrungen! ist, konnte ihm wegen seiner Voreingenommenheit für die arische und seiner Antipathie gegen die semitische Darstellungsweise nicht gerecht werden. Er legt daran den Maßstab der griechischen Architechtonik an nnd findet daher den Gedankenbau in K> mangelhaft, Vernachlässigung der folgerichtigen Entwickelung des Gedankenganges. Allein wenn die hebräischen Compositionen! (sie semitisch zu nennen ist schon eine unverzeihliche Versündi- I gung) auch nicht einem griechischen Tempel mit schöner Säulen, ordnung gleichen, so gleichen sie auch nicht dem Wigwam von Wilden. Wer den sich dnrchschlängelnden Gedankenfaden in Hiob und dem Hohenlieds nicht gefunden hat, ist selbst Schuld! daran. Allerdiugs ist es schwerer, ihn in Kohelet zu finden; aber daran hat der noch nicht genügend emendirte Text eben so viel Schuld, wie die mit Vereingenommenheit der daran gehenden Ausleger. Neben der Correctur einzelner, Sinn störender I Partien, deren Zahl Renan nur um wenige zu den von mir ' berichtigten vermehrt hat, kann nur Tranposttion von Versen; ein Mittel gewähren, abrupte Verse zu verstehen und Gedanken-) folge zu finden. Weil Renan keinen Gebrauch von diesem Cors rektiv hat machen wollen, darum erschien ihm die Gedankenfolge; chaotisch. Warum sollte, der Verf. im Anfang und am Ende einen Gedankenfaden so klar wahrnehmbar abgesponnen und in der Mitte die Betrachtungen so chaotisch zusammengeworfen haben? Wer in den ersten 3 und in deu letzten 2 Ca« piteln die Gedankenordnung so logisch abrundet, kann nicht be>! schuldigt werden, daß er gegen logische Gedankenzucht gesündigt habe. Meistens zeigt doch das Buch eine erstaunliche \ Beherrschung der hebräischen Sprache, allerdings in ihrer der; neuhebräischen ähnlichen Formation, und nur weil dieser Sprache die modale Nüancirungen des Conjunctiv und Optativ und der Gebrauch gewisser logisch einschränkender Partikeln