Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Historische und topographische Streifzüge
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 538 (sequence 10)
- Language
- German
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538 Historische und topographische Streifzüge. schlechter sollten nicht durch griechische Lektüre abermals zu gefährlichen Apostaten gleich Acher verführt werden. 9t״ Josua hatte noch halb und halb gestattet, ein griechisches Buch in der Zwischenzeit zwischen Tag und Nacht zu lesen. Das Collegium der Zeit der Haddrianischen Verfolgung verbot dieses ganz und gar. Es handelte sich nicht, wie nicht genug hervorgehoben werden kann, um griechisch Sprechen — wie es mißverstanden wurde — denn mehr oder weniger verstanden sämmtliche damali» gen Gesetzeslehrer in Palästina diese Sprache. Aguila hatte eine Uebersetzung der heiligen Schrift den Lehrern R' Josua- R' Elieser und N' Akiba vorgelegt.; sie müssen also griechisch verstanden haben. Das Verbot kann sich nur bezogen haben auf griechische Lektüre, und das Verbot kann nur durch Achers böses Beispiel veranlaßt worden sein. Uebrigens scheint diese Erscheinung damals nicht vereinzelt gewesen zu sein. Eine agadische Auslegung führt darauf, daß man in Lydda, wo die Berathung der Gesetzeslehrer während der bruch des Bar-Kochbaischen Krieges fertig geworden (kurz vor 132). So kann doch das Griechische nicht damals schon verboten gewesen sein. Ich halte daher die Aufzählung der Einführung der Trauerzeichen nach den drei Katastrophen (פולמוס) für theilweise vorgeschoben. Es muß zuletzt lauten : בפולמוס האחרון גזרו שלא תצא כלה באפיריון ושלא ילמד אדבס את כנו יונית. Erst seit der hadrianischen Katastrophe wurde die Beschäftigung mit dem griechischen Schriftthum (denn das ist eigentlich gemeint) verboten; bis dahin aber galt es als gestattet, und nur als Abbruch der Zeit für das Thora-Studium nicht gerne gesehen. Die Relation, daß schon in der Makkabäerzeit dieses Verbot erlassen wäre, ist unhistorisch. — Warum aber gerade nach dem פולמוס האחרון das Griechische perhorrescirt wurde? Den Grund hat N' Jochnnan noch gekannt (jeruf. Peah und Sota a. a. 0.) אסור ללמד יונית) בשכס ד יוחנן מפני המסורות). Wegen der Angeber und Verräther, welche gleich A ch e r durch griechische Lektüre ketzerische Ansichten sich angeeignet, dadurch zur Apostasie gekommen und dann sich den Römern zugesellt haben, die Gesetzestreuen zu denunciren, hat man eben in dieser Zeit die Beschäftigung mit dem griechischen Schriftthum ganz und gar verboten. So sind Motiv und Zusammenhang dieses Verboten mit dem letzten Polemos klar.