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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1884-01-01 · Heft 10 · p. Seite 463

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
33 (1884)
Issue
Heft 10
Article
Der synagogale Ritus
Date
1884-01-01
Page
Seite 463 (sequence 6)
Language
German
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Der synagogale Ritus. 46S Tagen, an denen nicht gepredigt wurde, machte der schwächere Synagogenbesuch jede Vorkehrung entbehrlich. An stabile Scheidewände zwischen Männern und Frauen scheint in den ersten Jahrzehnten des dreizehnten Jahrhundert noch Niemand gedacht zu haben. Ihre Errichtung ist ein Werk des zwischen 1230 und!280 liegenden halben Jahrhunderts. Um letztere Zeit wird vorausgesetzt, daß Männer und Frauen gesonderte Lokalitäten in den Synagogen einnehmen. Die hierauf bezügliche Notiz ist in den Vorschriften über den Ritus des Versöhnungstages niedergelegt. In Deutschland war es nämlich Sitte der Frommen geworden, nach dem vorabendlichen Gottesdienste des Versöhnungstages in der Synagoge zu bleiben, und daselbst zu übernachten was in vielen Synagogen Polens und Ungarns bis auf den heutigen Tag zu geschehen pflegt. Ursprünglich hatte die Sitte, keinen kultuellen Zweck, man wollte bloß die zahlreich angezündeten Kerzen überwachen, und die Synagoge vor Feuerschaden bewahren. Ein Theil der Nacht wurde mit der Rezitirung des Psalters ausgefüllt, worauf sich ein Theil der Andächtigen zur Ruhe begab. Später erklärte man die Sitte für sine Nachahmung des Jerusalemischen Kultus: Die vornehmen Bürger Jerusalem's gönnten sich in der Nacht des Versöhnungstages keine Ruhe, um durch ihr Geräusch auch den Hohenpriester mach zu erhalten. In den Gemeinden der talmudischen Zeit wurde diese Nacht ebenfalls durchwacht, es wurden aber Klagen laut, zu denen die Vigilien in katholischen Ländern auch in unserer Zeit Veranlassung geben. (Joma 19 b). Unter denjenigen, die sich einige Stunden Schlafes gönnten, gab es auch solche, denen es nicht unbekannt war, daß sich dies mit der Heiligkeit des Ortes nicht vertrage. Manche beruhigten sich jedoch mit den Ausnahmen, welche schon der Talmud zuläßt. Andere legten sich an einem Orte nieder, der ihnen einen mindern Grad von Heiligkeit

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