Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Der synagogale Ritus
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 7)
- Language
- German
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464 Der synagogale Ritus. zu besitze» schien: an der äußersten Westseite der Synagoge, welche die Andächtigen, auch während des Gottesdienstes nicht zu besetzen pflegten, oder in der Frauenabtheilung nachdem dieselbe von den Frauen geräumt worden war. Eine dieser Stellen wählte, wie N. Meir ha Kohen aus Narbonne berichtet, sein Lehrer R. Me'ir b. Baruch aus Rothenburg in Baiern (Hagg. Maim. Scheb. Aßor. gegen Ende, Anfangsw. כל Mard. Joma Nr. 725. Tur. Or. Chajj. 619. Maharil ed. Sab. 69 a) die größte rabbinische Autorität der deutschen Juden im Mittelalter (gest. 27. Apr. 1293). In dieser Notiz wird die Frauenabtheilung Synagoge der Frauen genannt. Wenn nun R. Meir dieser Synagoge einen geringern Grad von Heiligkeit zuspricht, als der der Männer, so thut er dies wol nur deshalb, weil ihm die Rüumlichkeitsverhältnisse des Jerusalemischen Tempels vorschweben, und er unbeachtet läßt, das denselben die levitischen Neinigkeitsgesetze zu Grunde liegen, die auf Synagogen keine Anwendung finden. Eine direkte Zurucksetzung brachte der Ritus des Versöhnungstages den Frauen erst in späterer Zeit. — Deutsche Fromme waren nämlich ans den Gedanken gekommen, den Versöhnungstag stehend zuzubringen, um den Engeln zu gleichen. Die Sitte fand auch in Polen Eingang. Selbst Frauen zeigten sich geneigt, derselben zu folgen. Dagegen erhoben aber die Schcistgelehrten entschiedene Einsprache. Die Engel, sagten sie, sind, wie uns der Midrasch belehrt, ohne Ausnahme mannlichen Geschlechts. Weiber dürfen sich daher nicht anmaßen, ihnen gleichen zu wollen. Aus demselben Grunde kömmt es nicht ihnen, sondern nur den Männern zu, am Versöhnungstage, wie die Engel-- in weißen Gewändern zu erscheinen (Tur Or. Chajj. 619. Mag. Abr. 610, 5, 619,10. Jlk. Spr. 959). Da es von jeher eine Forderung nationaler Eleganz war, sich in glänzend weiße Gewänder aus Wolle oder Linnen zu kleiden